Ermordet und vergessen

Bei der letzten Verlegung von Stolpersteinen im August in Solingen wurde verstärkt einer Opfergruppe der Nazis gedacht, die bisher nicht im Fokus der Erinnerungen stand: den Solingerinnen und Solingern, die im Rahmen des Vernichtungsprogramms Euthanasie aus den Heil- und Pflegeanstalten verschleppt und umgebracht wurden. Die Tötung erfolgte entweder in einem Gaswagen oder durch Verhungern.

Die bisher bekannte Anzahl der Menschen, die aus Solingen stammen, beläuft sich auf ca. 200 aber eine ebenso hohe Zahl von noch nicht bekannten Opfern müssten noch dazu gezählt werden. Die Ermittlung der Lebensläufe ist nicht einfach. Das Stadtarchiv Solingen, insbesondere Armin Schulte hat sich hierbei viel Mühe gegeben. So konnten für die Stolpersteinverlegung die Schicksale dreier Menschen als Beispiel für das menschenverachtende System der Nazis aufgeklärt werden.

Stolperstein für Hildegard Rubens

Es handelt sich hierbei um Otto Winkels, der bereits 1938 zwangskastriert und 1944 in die Heilanstalt Galkhausen bei Langenfeld eingewiesen und von dort in die Tötungsanstalt Meseritz/Oberwalda verlegt wurde und dort am 17. Mai 1944 ermordet wurde. Ebenso aus der Heilanstalt Galkhausen stammen die beiden weiteren Opfer:

– Hildegard Rubens, Jahrgang 1915. Dr. Hermann aus Galkhausen stellt 1935 einen Sterilisierungsantrag und sie wird zwangssterilisiert. Nach einem Aufenthalt in dem ev. Mädchenheim Quellenhof in Solingen wird sie 1936 wieder in Galkhausen eingewiesen und im Zuge der Aktion T4in Hadamar am 21.5.1941 ermordet.

– Ernst Müller erlitt das gleiche Schicksal. In Solingen zwangskastriert und später in die Heilanstalt Galkhausen eingewiesen wo er von dort am 23.5.1941 in die Tötungsanstalt Bernburg/Saale verbracht und am gleichen Tag ermordet wurde.

Mit der Verlegung weiterer Stolpersteine wurde auch an jene Menschen gedacht, die als asozial und arbeitsscheu stigmatisiert und wegen verhältnismäßig kleiner Vergehen von der Nazijustiz verurteilt und in Konzentrations- oder Arbeitslagern umgebracht wurden. So Ernst Hartkopf, ermordet am 15.1.1943 in Dachau, Paul Plömacher ermordet am 16.10.1941 in Sachsenhausen und Karl Braun ermordet am 5.6.1944 in Hartheim.
Mit der Verlegung eines Stolpersteins für Heinrich G. Irsen wird an einen Menschen gedacht, der wegen seiner Homosexualität von den Nazis verfolgt und am 5.7.1942 in Sachsenhausen ermordet wurde.

Mit den Stolpersteinen soll nicht nur an die Schicksale der von den Nazis ermordeten Solinger Bürger erinnert werden, sie dienen auch als Mahnung für die heutige Zeit ein solches menschenverachtendes System nicht mehr zuzulassen. Mit der Verunglimp-fung und Herabsetzung von andersdenkenden, andersfühlenden oder aus einem anderen Land stammenden Menschen fängt es an, Verfolgung und Ermordung können die Folgen sein. Wofür es leider viele Beispiele in unserem Land gibt. Eine Duldung oder gar Unterstützung solch rechter Politik darf es nicht geben.

H.-Günter Koch

Weitere Informationen und die einzelnen Biographien zu den Stolpersteinen gibt es auf der Internetseite des Stadtarchiv Solingen:
https://www.solingen.de/de/inhalt/stolpersteine-in-solingen/