{"id":893,"date":"2016-09-13T15:41:13","date_gmt":"2016-09-13T15:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=893"},"modified":"2016-09-13T15:41:13","modified_gmt":"2016-09-13T15:41:13","slug":"the-bad-the-ugly","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=893","title":{"rendered":"The Bad &#038; The Ugly"},"content":{"rendered":"<h1>BAYER will MONSANTO schlucken<\/h1>\n<p><em>BAYER setzt dazu an, ein Monopol \u00fcber die globalen Agro-M\u00e4rkte zu errichten und damit die Kontrolle \u00fcber wichtige Glieder der Nahrungsmittel-Kette zu erlangen. Auf entsprechend gro\u00dfen Widerstand st\u00f6\u00dft das Vorhaben.<\/em><!--more--><br \/>\n\u201eWir sind seit langem von MONSANTO beeindruckt und teilen die \u00dcberzeugung, dass durch ein integriertes Gesch\u00e4ft erheblicher Wert f\u00fcr die Aktion\u00e4re beider Unternehmen entstehen w\u00fcrde\u201c, mit diesen Worten begr\u00fcndete BAYER-Chef Werner Baumann die \u00dcbernahme-Pl\u00e4ne. 62 Milliarden Dollar bietet der Leverkusener Multi aktuell f\u00fcr die US-Gesellschaft.<\/p>\n<p>Eine Akquisition dieser Dimension hat ein bundesdeutsches Unternehmen bisher noch nie bewerkstelligt \u2013 und in diesem Jahr weltweit noch keine andere Firma. Gel\u00e4nge der Coup, w\u00fcrde der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Agro-Konzern der Erde entstehen. Einen \u201ebedeutend gr\u00f6\u00dferen Fu\u00dfabdruck auf dem Globus\u201c w\u00fcrden die zusammengelegten Gesch\u00e4fte der beiden Firmen hinterlassen, frohlockt der Leverkusener Multi. In seinen Werbe-Brosch\u00fcren zum \u00dcbernahme-Plan errechnet er auf Basis der 2015er Zahlen stolz einen gemeinsamen Umsatz von 23,1 Milliarden Dollar. Damit kann niemand aus der Branche mithalten. Die frisch verm\u00e4hlten Paare SYNGENTA\/ChemChina und Dupont\/Dow folgen mit weitem Abstand (14,8 bzw. 14,6 Milliarden), und auf Rang vier landet abgeschlagen BASF mit 5,8 Milliarden.<\/p>\n<p>Bei den Pestiziden kommen BAYER und MONSANTO zusammen auf einen Marktanteil von rund 25 Prozent, beim Saatgut f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderte und konventionelle Ackerfr\u00fcchte auf einen von rund 30 Prozent. Allein die Gen-Pflanzen betrachtet, erreichen die beiden Konzerne vereint mit weit \u00fcber 90 Prozent sogar eine klar dominierende Position. Entsprechend besorgt reagierte die Coordination gegen BAYER-Gefahren. \u201eWir schlagen Alarm: \u201aWer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt\u2019, hat Henry Kissinger einmal gesagt. Durch die \u00dcbernahme droht ein weltweites Lebensmittel-Monopol. Die Weltern\u00e4hrung ger\u00e4t in ernste Gefahr\u201c, so Axel K\u00f6hler-Schnura vom Vorstand der CBG.<\/p>\n<p>Und das umso mehr, als sich da wirklich The Bad &amp; the Ugly verm\u00e4hlen w\u00fcrden. Was dem US-Unternehmen sein Glyphosat, das ist dem Leverkusener Multi sein Glufosinat, was dem US-amerikanischen Agro-Riesen seine Gen-Pflanzen der Produktreihe \u201eROUND UP\u201c, das sind seinem deutschen Pendant die LIBERTY-LINK-Ackerfr\u00fcchte. Gesundheitssch\u00e4dliche Chemikalien wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) und vietnamkriegstaugliche Agrochemikalien produzierten beide. Und BAYER war im Gegensatz zu MONSANTO sogar schon 1914-1918 und 1939-1945 Kriegsteilnehmer. Trotzdem tischen viele Zeitungen bei ihrer Berichterstattung \u00fcber den geplanten Deal die M\u00e4r vom Umweltengel aus Leverkusen auf, der sich auf einen Pakt mit dem Teufel einlassen will.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-881 size-medium\" src=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/65-Bayer-154x300.jpg\" alt=\"Kleinanzeige_45x90.indd\" width=\"154\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/65-Bayer-154x300.jpg 154w, https:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/65-Bayer-527x1024.jpg 527w, https:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/65-Bayer.jpg 555w\" sizes=\"(max-width: 154px) 100vw, 154px\" \/><br \/>\nDas aktuell auf 55 Milliarden Euro bezifferte Gebot des deutschen Global Players, \u201eder sich in den vergangenen Jahren viel M\u00fche gegeben hat, als sauberes Unternehmen dazustehen\u201c (Rheinische Post), markiert den vorerst letzten Zug in einem makabren Monopoly-Spiel um eines der wichtigsten G\u00fcter der Menschheit: der Nahrung. Er\u00f6ffnet hatte es MONSANTO selber, mit dem Begehr, SYNGENTA zu \u00fcbernehmen. Die Schweizer aber bevorzugten ChemChina als neuen Partner, und pl\u00f6tzlich mochten auch Dupont und Dow nicht mehr auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen \u2013 sie fusionierten. Mit dieser Entwicklung beschleunigte sich der Konzentrationsprozess im Agro-Business noch einmal, der vor rund 20 Jahren begann. Im Saatgut-Bereich etwa hatten sich 1985 noch keine oligopolartigen Strukturen herausgebildet. Die zehn gr\u00f6\u00dften Anbieter kamen blo\u00df auf einen Marktanteil von ca. 12,5 Prozent. 2011 sah das jedoch schon ganz anders aus, da teilte die damalige Top 10 bereits 75,3 Prozent des Gesch\u00e4fts unter sich auf. Einen wesentlichen Antrieb f\u00fcr die neue \u00dcbersichtlichkeit stellte dabei die Gentechnik dar. Sie verlangte n\u00e4mlich nach einer vertikalen Integration. \u201eEin neues Gen ist nutzlos ohne einen hochwertigen Grundstock von Saatgut, in das es eingebaut werden kann, und eine Infrastruktur, die solches bereitstellt\u201c, wie es ein Finanz-Analyst einmal formulierte.<\/p>\n<p>K\u00e4me BAYER bei MONSANTO zum Zuge, so erlangte der Leverkusener Multi aber nicht nur die Hoheit \u00fcber die Esstische. Der Deal h\u00e4tte noch weitere negative Folgen. Die LandwirtInnen etwa m\u00fcssten sich auf h\u00f6here Betriebskosten einstellen, denn diese steigen verl\u00e4sslich in Korrelation zum Monopolisierungsgrad der Branche. Allein die Preise f\u00fcr Mais- und Baumwoll-Saatgut haben sich in den vergangenen 20 Jahren nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums vervierfacht.<\/p>\n<p>\u00dcberdies h\u00e4tten die LandwirtInnen noch weniger Auswahl. Die oligopol-artigen Strukturen haben jetzt schon einen riesigen Innovationsstau mit sich gebracht. An eine Landwirtschaft ohne Gifte verschwenden die Konzerne keinen Gedanken, sie schaffen es noch nicht einmal, Ersatz f\u00fcr ihre Uralt-Mittel zu finden. BAYERs Glufosinat oder MONSANTOs Glyphosat haben schon \u00fcber 40 Jahre auf dem Buckel. Deshalb trotzen immer mehr Unkr\u00e4uter diesen Substanzen. Den FarmerInnen bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als die Gift-Dosis zu erh\u00f6hen. Und der Leverkusener Multi leugnet diesen Tatbestand keineswegs. \u201eSeit \u00fcber 25 Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr f\u00fcr Fl\u00e4chenkulturen entwickelt und auf den Markt gebracht \u2013 unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen f\u00fcr neue Herbizide einherging\u201c, so der BAYER-Forscher Dr. Hermann St\u00fcbler.<\/p>\n<p>Die bei Transaktionen dieser Art immer gerne beschworenen \u201eSynergie-Effekte\u201c schlie\u00dflich lassen ebenfalls B\u00f6ses ahnen. Der bundesdeutsche Agro-Riese konnte diese sogar schon genau beziffern: mit 1,5 Milliarden Dollar zus\u00e4tzlicher Einnahmen nach drei Jahren Baysanto rechnet er. Dazu d\u00fcrfte die Arbeitsplatz-Vernichtung durch Beseitigung von Doppel-Strukturen einiges beitragen. Einen Job-Abbau \u2013 sei es zur Reduzierung der durch den Deal anfallenden Schulden oder im Zuge der Zusammenf\u00fchrung der Unternehmen \u2013 hat der Global Player ausdr\u00fccklich nur hierzulande ausgeschlossen. \u201eRationalisierungsma\u00dfnahmen zur Finanzierung der Akquisition werden in Deutschland nicht stattfinden\u201c, hei\u00dft es in einer mit dem Gesamtbetriebsrat geschlossenen Vereinbarung. \u00dcber die Grenzen schauen die Gewerkschaftler also offenbar nicht \u2013 ein Tief der internationalen Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Standort-St\u00e4dte m\u00fcssen sich ebenfalls auf so einiges gefasst machen. Ihnen ist die letzte Einkaufstour des Multis noch in denkbar schlechter Erinnerung. Unmittelbar nach dem Kauf der Merck-Sparte mit den nicht rezeptpflichtigen Arzneien hatte der Konzern n\u00e4mlich verk\u00fcndet: \u201eBAYER rechnet ab dem ersten Jahr nach dem Vollzug mit signifikanten Steuer-Einsparungen.\u201c Und prompt hat er die Akquisition dann auch von der Steuer abgesetzt und damit vor allem seinen Stammsitz Leverkusen noch tiefer in die Verschuldung getrieben.<br \/>\nDen Gr\u00fcnen der Stadt schwant deshalb wieder Schlimmes. \u201eDie \u00dcbernahme von MONSANTO ist teuer. Dies d\u00fcrfte zur Folge haben, dass die Gewerbesteuer-Einnahmen der Stadt Leverkusen weiter sinken\u201c, erkl\u00e4rte die Partei. Auch der gr\u00fcne Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter kritisiert das Vorhaben des Unternehmens: \u201eDie BAYER-Bosse folgen reiner Gewinn-Maximierung. Der geplante Deal w\u00fcrde die Welt nicht besser machen, sondern schlechter.\u201c Die SPD-Bundestagsabgeordnete Elvira Drobinski-Wei\u00df bewertete das BAYER-Ansinnen unterdessen als \u201esehr problematisch\u201c, weil die Gentechnik damit in der Bundesrepublik zu einem Wirtschaftsfaktor aufstiege und ergo mit mehr Macht auf die \u00c4cker dr\u00e4ngen w\u00fcrde. Die \u201eArbeitsgemeinschaft f\u00fcr b\u00e4uerliche Landwirtschaft (AbL) spricht sich ebenfalls gegen Baysanto aus. \u201eDurch die Fusion w\u00fcrde der Saatgut- und Pestizidmarkt noch weiter monopolisiert\u201c, erkl\u00e4rte der Verband. Die US-amerikanische \u201eNational Farmers Union\u201c teilt im Gegensatz zur \u2013 von BAYER gro\u00dfz\u00fcgig gesponserten \u201eAmerican Farm Bureau Federation\u201c \u2013 die Bef\u00fcrchtungen. \u201eDas wird todsicher zu weniger Wettbewerb f\u00fchren, und als direktes Resultat davon werden die Farmer h\u00f6here Preise zahlen, als sie es sonst m\u00fcssten\u201c, soNFU-Pr\u00e4sident Roger Johnson.<\/p>\n<div id=\"attachment_880\" style=\"width: 244px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-880\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-880\" src=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/65_Bayer2-234x300.jpg\" alt=\"Gentechnik-Multi vor der \u00dcbernahme unserer Ern\u00e4hrung? 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Montage: Coordination gegen BAYER Gefahren<\/p><\/div>\n<p>Ein Mitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) schrieb in der Sache deshalb einen Brief an das Bundeskartellamt. \u201eWir versichern Ihnen, dass wir bei unseren Fusionspr\u00fcfungen sehr gewissenhaft die M\u00e4rkte betrachten und dies auch k\u00fcnftig so handhaben werden, um den Wettbewerb zu sch\u00fctzen\u201c, antwortete die Beh\u00f6rde. Auch die EU-Wettbewerbskommission, bei welcher der Fall wegen seiner gro\u00dfen Tragweite wohl landen wird, erhielt ein Schreiben. Die Coordination verl\u00e4sst sich allerdings nicht auf die Reaktionen der politischen Institutionen. Sie organisiert gemeinsam mit Partnern wie Sum Of Us und Campact einen breiten Widerstand gegen die \u00dcbernahme. Anfang Juni hat die CBG etwa zum D\u00fcsseldorfer \u201eMarch against MONSANTO\u201c bzw. \u201eTerra Viva March\u201c mobilisiert und dort auch gesprochen.<\/p>\n<p>Der Faz graut indessen schon vor der n\u00e4chsten Hauptversammlung des Leverkusener Multis. \u201eWenn sich heute schon das \u00fcberwiegende Gros der Hauptversammlungsredner zu Themen \u00e4u\u00dfert, die nicht viel mit Bilanzen zu tun haben, m\u00f6chte man sich die Diskussionsinhalte k\u00fcnftiger BAYER-Aktion\u00e4rstreffen lieber nicht ausmalen\u201c, schreibt die Zeitung. \u00c4ngstlich schaut sie darauf, was sich da gegen den nach noch mehr Gr\u00f6\u00dfe strebenden Konzern zusammenbraut und wirft ihm vor, \u201ediese von breiten Bev\u00f6lkerungsschichten getragene gesellschaftliche Stimmung gegen aggressive Agrochemie-Konzerne und ihre Patente\u201c zu ignorieren und \u201enur noch auf Zahlen\u201c zu schauen.<\/p>\n<p>Und in der Tat ist es diese Rendite-Fixierung von BAYER &amp; Co., die das zynische Monopoly-Spiel um die Weltern\u00e4hrung und \u00e4hnliche Entwicklungen in anderen Wirtschaftsbereichen anheizt. F\u00fcr die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN dokumentiert dies einmal mehr die Dringlichkeit, die Multis unter gesellschaftliche Kontrolle zu stellen. Waren es laut einer Studie der ETH Z\u00fcrich 2011 noch 147 Konzerne, die den gesamten Weltmarkt beherrschten, so d\u00fcrfte ihre Zahl bis heute noch einmal deutlich gesunken sein. Allein 2015 belief sich der Wert der Fusionen auf rund f\u00fcnf Billionen Dollar. Und das Jahr 2016 k\u00f6nnte diese Summe dank Baysanto noch \u00fcbertreffen. Die Welt steuert also \u2013 mit freundlicher Unterst\u00fctzung von Freihandelsabkommen wie TTIP, die staatliche Rechte auf Unternehmen \u00fcbertragen \u2013 auf eine Diktatur der Konzerne zu, hinter denen wiederum eine Gruppe weniger Ultra-Reicher steht.<\/p>\n<p>Damit ist es h\u00f6chste Zeit, die Eigentumsfrage zu stellen und in den sozialen Bewegungen verst\u00e4rkt \u00fcber die Alternativen und deren Umsetzungsm\u00f6glichkeiten zu diskutieren. Die CBG fordert:<\/p>\n<p><strong><em>&#8211; Die Fusion der beiden Konzerne muss gestoppt werden!<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>&#8211; Die Konzerne vergesellschaften und unter demokratische Kontrolle stellen (wie es etwa die Landesverfassung von NRW vorsieht)!<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>&#8211; Das Profitprinzip muss fallen und einem Solidarprinzip weichen!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jan Pehrke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BAYER will MONSANTO schlucken BAYER setzt dazu an, ein Monopol \u00fcber die globalen Agro-M\u00e4rkte zu errichten und damit die Kontrolle \u00fcber wichtige Glieder der Nahrungsmittel-Kette zu erlangen. 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