{"id":749,"date":"2016-07-06T13:52:35","date_gmt":"2016-07-06T13:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=749"},"modified":"2016-07-06T13:52:46","modified_gmt":"2016-07-06T13:52:46","slug":"lokalradios-unserer-nachbarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=749","title":{"rendered":"Lokalradios unserer Nachbarn"},"content":{"rendered":"<h1>\u00dcber die Grenze geh\u00f6rt<\/h1>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Radiostationen, die weder dem kommerziellen, noch dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sektor zuzuordnen sind, haben in den letzten Jahren in vielen L\u00e4ndern einen wahren Boom erfahren, der in jeder Hinsicht an Deutschland vorbeiging. Weder wurden hier entsprechende Sender lizensiert &#8211; sieht man von Radio Dreyeckand in Freiburg und wenigen anderen \u00e4hnlichen Stationen &#8211; einmal ab \u2013 noch wurde dieser internationale Proze\u00df ernsthaft zur Kenntnis genommen oder gar der Versuch unternommen die Radiolandschaft dieser internationalen Entwicklung zu \u00f6ffnen. In Deutschland , wurden \u201eLokalradios\u201c lizensiert, deren Zweck darin besteht, Gewinne zu erwirtschaften. Welche M\u00f6glichkeiten \u00fcber diese \u201egefunkten Werbebl\u00e4ttchen\u201c hinaus im Medium Lokalradio stecken, verdeutlicht ein Blick \u00fcber die deutschen (Radio-)Grenzen.<\/p>\n<p><strong>Andere L\u00e4nder &#8211; andere Radios&#8230; <\/strong><br \/>\n<strong>Das Beispiel Niederlande<\/strong><\/p>\n<p>Radio-Selber-Machen hat in den Niederlanden eine lange Tradition. Es fing in den zwanziger Jahren mit den unterschiedlichsten Rundfunkstiftungen an. In den sechziger Jahren etablierten sich zahlreiche Medien-Initiativen und ab den achtziger Jahren gingen viele legale sowie illegale Lokalradios auf Sendung. Die Rundfunklandschaft wurde immer von unterschiedlichsten Gruppen und Radiomachern gepr\u00e4gt. Im Gegensatz zu der eher obrigkeitsstaatichen Rundfunktradition hatte das niederl\u00e4ndische Rundfunksystem vor alem eine Koordinationsfunktion. Auf der grundlage einer vertikal gegliederten Gesellschaft entwickelten sich Rundfunkvereine und Stiftungen. \u00dcber drei\u00dfig Organisationen haben in diesem kleinen Land eine Sendeerlaubnis &#8211; daneben gab es bis Anfang 1990 eine Unzahl von Privatsendern mit den unterschiedlichsten Anspr\u00fcchen und H\u00f6rerreichweiten vom nichtkommerziellen Initiativenradio bis hin zum reinkommerziellen Popmusik-Dudelfunk). Sp\u00e4testens seit den sechziger Jahren hat es in den Niederlanden eine sehr lebhafte Alternativmedienszene als Gegenbewegung zu den insttutionalisierten Massenmedien gegeben. Hausbesetzer, Frauen, Anh\u00e4nger von sozialen Bewegungen und andere Gruppen bildeten themengebundene Medieninitiativen. Mitte der siebziger Jahre verschob sich der Akzent dieser InitiatVenau\u00ednicht-themengebundenelokaleMedien. Etwa f\u00fcnfzehn dieser Initiativen gr\u00fcndeten im Dezember 1981 die OLON, Organisatie van Lokale Omroepen in Nederland (Organisation des lokalen R\u00fcndfunks in den Niederlanden). Basis dieser Radioinitiativen sind nicht mehr gemeinsame Themen, sondern die unterschiedlichsten Interessen innerhalb einer Gemeinde Die OLON finanziert sich aus bezahlten Serviceleistungen, Parlamentszuwendungen, Mitgliedsbeitr\u00e4gen sowie aus dem Verkauf einer egenen Zeitschrift. Sie versteht sich als &#8222;Gewerkschaft f\u00fcr die lokalen Rundfunkstationen&#8220; und k\u00e4mpft auf politischer Ebene f\u00fcr die Interessen der Lokalfunker, hilft neuen Lokalfunkinitiativen beim Lizenzantrag und vermittelt Wissen und Erfahrungen mit dem Umgang des Mediums Cro\u00dfen Einflu\u00df hatte die OLON auf die Gestaltung des derzeitgeltenden Mediengesetzes von 1987. Kernpunkte dieses Gesetzes sind:<br \/>\n&#8211; Die Finanzierung: Sie mu\u00df durch lokale Mittel gew\u00e4hrleistet sein. Werbung und Kommerzialit\u00e4t sind strikt untersagt.<br \/>\n&#8211; Die Organisation: Lokalradio mu\u00dfte repr\u00e4sentativ organisiert sein. Alle sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen der Gemeinde m\u00fcssen Vertreten sein.<br \/>\n&#8211; Die Programmbeteiligung: Alle Gruppen der Gemeinde m\u00fcssen Zugang zum Lokalsender haben.<br \/>\n&#8211; Die Anzahl: Pro Gemeinde wird nur ein Lokalsender lizensiert.<\/p>\n<p>Es folgen im Text nun Beispiele nichtkommerzieller Lokalradios in den Niederlanden.<\/p>\n<h1>SALTO-Amsterdam<\/h1>\n<p>In der niederl\u00e4ndischen Hauptstadt sendet neben kommerziellen Privaten und dem Bewegungsradio &#8222;Radio 100&#8220; die Lokalrundfunkorganisation SALTo Das Lokalradio in Amsterdam ist ein bedingt offenes Gruppenradio f\u00fcr das SALTO den organisatorischen Rahmen bildet, dh, es werden zeitlich begrenzte Unterlizenzen an unterschiedliche Radiogruppen vergeben Kirchen, Hausbesetzer, Homosexuelle, T\u00fcrken und andere Verantwortlich f\u00fcr die Sendung sind die jeweiligen Gruppen. Einzelne Mitarbeiter von SALTO sind festangestellte bezahlte Kr\u00e4fte &#8211; dar\u00fcber hinaus arbeiten 500-600 Menschen aus den Radiogruppen ehrenamtlich. Unterst\u00fctzt wird SATO ua mit einer j\u00e4hrlichen Spende von dem Amsterdamer Kartellbetreiber KTA in H\u00f6he von hf 150.000. Der durchschnittliche Jahresetat der Radiogruppen betr\u00e4gt insgesamt ca. hf 30.000<\/p>\n<p><strong>LOG &#8211; Lokale omroep Goirle<\/strong><\/p>\n<p>In einer ehemaligen Gl\u00fchlampenfabrik in der Wohngemeinde Goire befindet sich das Lokalradio. Einmal j\u00e4hrlich w\u00e4hlen die Mitglieder von LOG den sechsk\u00f6pfigen Vorstand und stimmen \u00fcber die Programmgestaltung ab. Mitglied von LOG kann jeder werden &#8211; wer jedoch aktiv mitarbeiten m\u00f6chte, mu\u00df zun\u00e4chst einen bestimmten Betrag als Pfand hinterlegen. Dann bekommt er eine fundierte Ausbildung. Absolventen dieser Kurse verdienen sp\u00e4ter oft ihr Geld als Mitarbeiter des nationalen Rundfunks Hilversum. Nach dieser Ausbildung m\u00fcssen die neuen Mitarbeiter mindestens zwei Jahre bei LOGmtwirken &#8211; sonst verf\u00e4llt das eingezahlte Pfand zugunsten des Senders. Die aktiv mitwirkenden Mitglieder sind auf zwei Gruppen aufgeteilt: Etwa 40 sind f\u00fcr die Technik zust\u00e4ndig und 30<\/p>\n<p>gestalten das Programm, aufgeteilt nach den Themengruppen: Politik, Milieu, Soziokultureles, junge Menschen, Sport und Nachrichten Jeder vierte Einwohner von Goire ist bei LOG Mitglied Programme von, f\u00fcr oder mit ethnschen Minderheiten gibt es bei LOG nicht. Versuche, ausl\u00e4ndische Mitb\u00fcrger zur Mitarbeit zu bewegen, scheiterten. F\u00fcr Au\u00dfenstehende gibt es jeden Sonntag von 12-13 Uhr die M\u00f6glichkeit eine Sendung frei zu gestalten<\/p>\n<p><strong>Radio Rataplan &#8211; Nijmegen<\/strong><\/p>\n<p>Radio Rataplan ist ein Piratensender mit Lokalradiofunktion. Den Namen &#8222;Rataplan\u201c hat sich dieser Sender nach dem ewig faulen Hund des Comic-Helden Lucky Luke gegeben. In Bolivien ist Rataplan die Bezeichnung f\u00fcr Dorfumrufer Entstanden ist Radio Rataplan als HausbesetzerRadio. Etwa 100 Menschen arbeiten aktiv beim Sender mit. Die Themen sind breitgef\u00e4chert: Viele Informationen, Aktuelles und Hintergr\u00fcnde aus Nijmegen, Kunst und Kultur, Musikgruppen aus Nmegen haben ebenso ihre speziellen Sendungen wie Frauen, Kinder, Anarchisten, Homosexuele, Literaten und es gibt Sendungen auf t\u00fcrkisch, spanisch sowie Programme mit karibischer, s\u00fcdamerikanischer oder experimenteller Musik. Eine formale Organisation gibt es bei Radio Rataplan nicht. Niemand, der aktiv an der Programmgestaltung mitwirken m\u00f6chte, wird ausgeschlossen. Programmdirektoren, Wellenchefs oder Chefredakteure sind allerdings unerw\u00fcnscht. Der Sender hat sich in Nijmegen als fester Bestandteil der lokalen Medien etabliert. Finanziert wird Radio Rataplan durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen.<br \/>\nGesendet wird auf der Frequenz 102,5 Mhz mit einer Sendeleistung von 40 Watt. Damit betr\u00e4gt die technische Reichweite etwa 30 km im Umkreis, bei \u00dcberreichweiten kann Radio Rataplan auch hier bei uns empfangen werden.<br \/>\nDie kleinen Einblicke in die Radiolandschaft unseres Nachbarn Niederlande verdeutlichen, wie Radio gemacht werden kann, welche M\u00f6glichkeiten in diesem kreativen Medium stecken. Die Betrachtung der lokalen Radiolandschaft unserer Nachbarl\u00e4nder kann fortgef\u00fchrt werden. Wenn Ihr, liebe Leserinnen und Leser, in Eurer tacheles mehr dar\u00fcber erfahren wollt, wendet Euch an die Redaktion.<\/p>\n<p>Helgo Ollmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Grenze geh\u00f6rt<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[191],"tags":[218,67,219],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/749"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=749"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":750,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/749\/revisions\/750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}