{"id":618,"date":"2016-06-27T17:20:19","date_gmt":"2016-06-27T17:20:19","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=618"},"modified":"2016-06-27T17:20:19","modified_gmt":"2016-06-27T17:20:19","slug":"hexenverfolgung-ein-dunkles-kapitel-der-frauengeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=618","title":{"rendered":"Hexenverfolgung: Ein dunkles Kapitel der Frauengeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Da gerade die Zeit der Hexenverfolgung in den Geschichtsb\u00fcchern allzu gerne totgeschwiegen wird, ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dieses schreckliche Verbrechen, welches mehr als Tausende (1) von Frauen in der damaligen Zeit zu Tode gebracht hat, in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. <!--more-->Bezeichnend sind schon die Assoziationen mit dem Wort &#8222;Hexe&#8220;: &#8222;Du alte Hexe&#8230;&#8220;, &#8222;Wie verhext&#8230;&#8220;, &#8222;Du siehst aus wie eine Hexe&#8230;&#8220;. All diese Ausspr\u00fcche werden zumeist negativ empfunden, wenn sie gegen eine selbst gerichtet sind. Keine will die Hexe sein &#8211; bis zu dem Punkt an dem frau sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Inzwischen bin ich stolz auf die Hexe in mir.<br \/>\n&#8222;Hexe&#8220; &#8211; was sagt uns das? Wahrscheinlich taucht das Bild einer kleinen, buckligen, h\u00e4\u00dfichen alten Frau mit krummer Nase und Warze darauf, auf. Es ist fast unglaublich, da\u00df Jahrhunderte nach der Hexenverfolgung durch die Kirche, unseren Kindern &#8211; und nicht nur denen &#8211; noch dieses Bild durch Kinderb\u00fccher, Erz\u00e4hlungen, Weihnachtshexenh\u00e4usern und dergleichen vermittelt wird. Auf subtile Art und Weise wird uns weisgemacht, da\u00df das B\u00f6se in jeder Frau steckt. Gut zu erkennen ist der Zusammenhang in dem M\u00e4rchen &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220;. Die beiden Kinder haben die Hexe verbrannt. Als sie aus dem Wald kommen, ist die &#8222;b\u00f6se Stiefmutter&#8220; tot. Jeder Mensch erkennt hier den Zusammenhang. Ich hatte als Kind immer Angst vor Hexen und Stiefm\u00fctter waren mir auch nicht ganz geheuer. Wenn sich dieses Bild einmal im Kopf festgesetzt hat, ist es schwierig nachzuvollziehen, da\u00df es sich bei den Hexen um Frauen gehandelt hat.<\/p>\n<h1>Die Hexe im Mittelalter<\/h1>\n<p>Die Frau verk\u00f6rperte die Natur. Sie war es, die Kinder gebar sozusagen &#8222;Fr\u00fcchte&#8220; aus ihrem Leib schenkte. Im Zuge der Zivilsaton wurde von Mann erwartet, sich die &#8220; Natur&#8220; untertan zu machen, sie zu beherrschen Mit dieser Weltanschauung war es nat\u00fcrlich leicht, die Frau als Objekt zu betrachten und nicht als gleichwertigen Menschen. Der Vernichtung stand kein Argument im Wege. Es kristallisierte sich aber auch die Angst der M\u00e4nner heraus. Angst vor der m\u00e4chtigen, in Wirklichkeit nicht zu kontrollierenden Natur. Erst wenn man(n) sich von der Natur distanzierte konnte man(n) Macht dar\u00fcber gewinmen.<br \/>\nIn der damaligen Zeit gab es einen Kampf zwischen zwe verschiedenen M\u00e4chten: Die Macht der Kirche und im Gegensatz dazu, die der alten Zeit, der Glaube an die Mage In vorchristlichen Zeiten glaubten die Menschen an G\u00f6tter und D\u00e4monen. Mit Hilfe der Schamanen und Hexen hatten die Menschen Zugang zu ihren G\u00f6ttern. Die Volksmedizin war in Frauenhand und versprach Hilfe in alen Lebenslagen. Hexen kannten sich aus mit Kr\u00e4utertrunk. Dieses Wissen konnte f\u00fcr viele Lebensbereiche genutzt werden. Krankheiten konnten geheilt werden, die Schwangerschaftsverh\u00fctung und Abtreibung wurde von den Hexen befrauscht. Die Lust auf Rausch gibt es wahrscheinlich so lange, wie es Menschen gibt. Diese Lust auf Rausch wu\u00dften die Hexen auch zu stillen. Es gab nat\u00fcrlich auch die &#8222;gef\u00e4hrliche Medizin, z. B. den todbringenden Pilz. Allein diese gef\u00e4hrliche Macht sah die Kirche. Das ganze Wissen der Frauen wurde in gut und b\u00f6se, schwarz und wei\u00df eingeteilt. Die Kirche hackte auf dem &#8222;B\u00f6sen&#8220; herum und brachte die weisen Frauen in Verruf, um sie dann endg\u00fcltig zu vernichten. Die Frauen, welche magische F\u00e4higkeiten erworben hatten, wurden von ihren Verfolgern v\u00f6llig verkannt. Ihre Profession wurde als weibliche &#8222;Potenz\u201c definiert und diese Potenz galt es zu vernichten.<\/p>\n<h1>Moderne Wissenschaft contra Magie<\/h1>\n<p>Die moderne Wissenschaft bahnte sich hren Weg. Das m\u00e4chtige Verh\u00e4ltnis der Frauen zur Natur stand der Wissenschaft im Wege. Die Wissenschaft sollte nicht ihren Ursprung in der Magie haben. Somit wurde die Vernichtung der Magie von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit. Dies wurde auf dem R\u00fccken der Frauen ausgetragen. Ihr magisches Wissen wurde in den Schatten gestellt. Einer der Wengen, der den Zusammenhang nicht leugnete, war Paracelsus. Er teilte \u00f6ffentliche mit von wem er sein Wissen erlangt hatte und benannte Hirten und Hexen. Er war jedoch eine gro\u00dfe Ausnahme unter den Wissenschaftlern<\/p>\n<h1>Frauenkultur<\/h1>\n<p>Im Mittelalter lebten Viele Frauen unabh\u00e4ngig vom Mann. Frau lebte oftmals mit Frau zusammen und die M\u00e4nner spielten eine nicht allzu gro\u00dfe Rolle im Leben dieser Frauen. Sie waren finanziell unabh\u00e4ngig, lebten in einer Dorfgemeinschaft oder mit Verwandten zusammen. Sie hatten die M\u00f6glichkeit in ihren Bereichen ihr Brot zu verdienen. Es gab noch eine Frauenkultur. Diese beinhaltete spezielle Frauenfeste wie z. B. Geburtsfeste, Kindbettfeste usw . Diese k\u00f6nnen als letzte Bruchst\u00fccke der matriarchalen Kultur verstanden werden. Frauen, welche in Frauenzimmern der Burgen lebten oder in Fronh\u00f6fen, waren nicht verheiratet. Sie wurden hoch geachtet. Sie hatten fast den gleichen Status wie der Mann. Das sollte durch die Hexenverfolgung ge\u00e4ndert werden. Ungeachtet des Alters, Standes etc. wurde ab dem 14. Jh. jede Frau, welche sich nicht unterordnete, verfolgt.<\/p>\n<h1>Hexenprozesse<\/h1>\n<p>Die Qualen, welche Verfolgte im Mittelalter zu erdulden hatten, sind kaum nachzuvollziehen. Wenn eine Frau der Hexerei beschuldigt und eingekerkert wurde, hatte sie die Kosten zu tragen, selbst wenn sie freigesprochen wurde. Frauen welche verbrannt wurden mu\u00dften ihre eigene Verbrennung bezahlen. Dies hie\u00df, da\u00df das ganze Hab und Gut der Frauen in Kirchenbesitz \u00fcberging. Den verfolgten Frauen stand noch nicht einmal ein Anwalt zur Seite. Hunderttausende von Menschen fielen diesen Hexenprozessen zum Opfer. Teilweise waren auch M\u00e4nner betroffen, die sogenannten Ketzer. Sobald Kritik ge\u00e4u\u00dfert wurde, konnte mensch sich seines Lebens nicht mehr sicher sein. Auf dem Weg zum Scheiterhaufen mu\u00dften Frauen zum Schweigen gebracht werden. Bevor jemand die Wahrheit \u00fcber die Folterungen erfuhr, wurden ihnen die Zungen herausgeschnitten. Sexuelle Gewalt stand an der Tagesordnung. Inquisitoren und Henker benutzten die Frauen, um ihre perversen sexuellen Gel\u00fcste auszuleben. Darunter f\u00e4llt z. B. das Verbrennen der Genitalien und Br\u00fcste der Frauen und M\u00e4dchen.<\/p>\n<h1>Hexenverfolgung hatte System<\/h1>\n<p>Bedacht werden mu\u00df, da\u00df es aus der Zeit der Hexenverfolgung keine Texte von den Frauen selbst gibt. Die ganzen Schriften stammen von Richtern, Henkern etc., also von den Verfolgern der Frauen. Aus ihren Schriften geht eindeutig hervor, da\u00df jede Frau eine potentielle Hexe war. Es kann also nicht von einer Randgruppenverfolgung (Hexenbund) gesprochen werden, die so manche Tat in ein anderes Licht r\u00fccken k\u00f6nnte, sondern es war die Verfolgung des weiblichen GeSchlechts!<br \/>\nMalleus maleficarum &#8211; &#8222;Der Hexenhammer&#8220; (zum ersten mal 1487 erschienen) ist einer der deutlichsten schriftlichen Beweise. Im ersten Teil des Hexenhammers wird auf eine ganz platte Art und Weise begr\u00fcndet und belegt, warum die Frau keinen Glauben (an Gott) habe.<br \/>\n&#8222;&#8230;Das Wort FEMINA n\u00e4mlich kommt von fe und minus (fe = fides, Glaube, minus = weniger, also femina = die weniger Glauben hat), wei sie immer geringeren Glauben hat und bewahrt, und zwar aus ihrer nat\u00fcrlichen Anage zu Leichtgl\u00e4ubigkeit, mag auch infolge der Gnade zugleich und der Natur der Glaube in die hochgebenedeiten Jungfrau niemals gewankt haben, w\u00e4hrend er doch in allen M\u00e4nnern zur gleichen Zeit des Leidens Chrst gewankt hatte. Also schlecht ist das Web von Natur, da es schneller am Glauben zwefelt, auch schneller den Glauben ableugnet, was die Grundlage f\u00fcr Hexerei ist.&#8220; (Jacob Sprenger\/Heinrich Institorus, 1982, S. 99 ff.)<\/p>\n<p>Dies ist nur eines von vielen Zitaten, welche belegen, wie einfach es sich die Kirchenm\u00e4nner gemacht haben. Solche einfachen und platten Begr\u00fcndungen reichten aus und das Volk schluckte sie. Anf\u00e4nglicher Widerstand war schnell gebrochen. Ganz Europa spielte \u00fcber mehrere Jahrhunderte dieses grausame Spiel. 1300 &#8211; 1400 gab es die ersten Prozesse gegen Hexen und Zauberer. Schon vorher wurden Ketzer und sogenannte &#8222;gefallene&#8220; Engel verfolgt. Die letzte bekannte Hexenhinrichtung fand 1793 in Polen statt. Das ist erst zwei Jahrhunderte her \u2013 be\u0101ngstigend!<br \/>\n(gek\u00fcrzte Fassung einer Hausarbeit)<\/p>\n<p>Patricia<\/p>\n<p>(1) Es ist bis heute umstritten, wieviele Menschen der Hexenverfolgung tats\u00e4chlich zum Opfer fielen. Manche Forscherinnen gehen von einigen Millionen Frauen und M\u00e4nnern aus, die in ganz Europa ermordet wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da gerade die Zeit der Hexenverfolgung in den Geschichtsb\u00fcchern allzu gerne totgeschwiegen wird, ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und dieses schreckliche Verbrechen, welches mehr als Tausende (1) von Frauen in der damaligen Zeit &hellip; <a href=\"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=618\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123],"tags":[57,18,21,135],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=618"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":619,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/618\/revisions\/619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}