{"id":613,"date":"2016-06-27T14:25:19","date_gmt":"2016-06-27T14:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=613"},"modified":"2016-06-27T14:25:19","modified_gmt":"2016-06-27T14:25:19","slug":"entscheidung-im-tacheles-prozess-herrliches-eigentor-von-guenther-kissel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=613","title":{"rendered":"Entscheidung im tacheles-Proze\u00df: Herrliches Eigentor von G\u00fcnther Kissel"},"content":{"rendered":"<h1>Wer andern eine Grube gr\u00e4bt\u2026<\/h1>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ende 1995 wurde die tacheles ins Leben gerufen, auch gegen Nazis; da lag es nicht fern, auch \u00fcber Kissel zu berichten. In Ausgabe Nr. 1 ging es um Kissels Verbindungen zum Auschwitzleugner Thies Christophersen und ein unverbl\u00fcmt zum Fremdenha\u00df aufrufendes Gedicht mit dem Titel \u201dBonzen und Asylanten\u201d, in dem \u201dFremde\u201d, die \u201dl\u00fcgen, betr\u00fcgen und prahlen\u201d, aber \u201dschlau und verstohlen\u201d in gewaltiger Flut\u201d \u201d\u2018first class\u2019 per Jet und per Bahn, per Taxi zur deutschen Beh\u00f6rde\u201d \u201dhereinstr\u00f6men,\u201d nur solange \u201dungeschoren\u201d bleiben, wie das \u201dVolk in Wut\u201d sich von der demokratisch gew\u00e4hlten Regierung \u201din Fron\u201d halten l\u00e4\u00dft. Der genaue Wortlaut kann in tacheles Nr. 1 nachgelesen werden. Kissel, der das Machwerk \u201dzur Aufmunterung\u201d an seine Belegschaft verteilt hatte, handelte sich beim tacheles-Autor jedenfalls Titel wie \u201daktiver rechtsextremistischer Drahtzieher\u201d, \u201dVolxverhetzer\u201d und \u201dAuschwitzleugner\u201d ein. Es folgte eine Strafanzeige Kissels.<\/span><\/p>\n<h1>\u2026 ob mit der Staatsanwaltschaft Wuppertal\u2026<b><\/b><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Und es folgten Ermittlungen und Anklageschrift: \u201dDiese Ausf\u00fchrungen erf\u00fcllen in nicht zu rechtfertigendem Wert den Tatbestand der Beleidigung des G\u00fcnter Kissel\u201d, dazu auch angeblich noch unter strafw\u00fcrdigem Impressum. F\u00fcr Ausf\u00fchrungen etwa der Art, warum oder inwiefern in den Worten des Autors der Beleidigungstatbestand erf\u00fcllt sei, hatte die Staatsanwaltschaft wohl keine Zeit.<\/span><\/p>\n<h1>\u2026 oder dem Amtsgericht Solingen\u2026<b><\/b><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">8.8.96: Das Amtsgericht Solingen machte kurzen Proze\u00df. Supertrick: Alle Beweisantr\u00e4ge \u00fcber Kissel-Spr\u00fcche (mit Holocaust-Leugnungen, Aufruf zu Fremdenhatz und Rassismus, Verherrlichung des Angriffskriegs usw. usw.) wurden als wahr unterstellt, damit Kissel nicht als Zeuge geladen werden mu\u00dfte. Auf diesem Weg mu\u00dfte der Richter zwar zugestehen, da\u00df Kissel \u201dAuschwitzleugnung\u201d betreibe. Verhandungsf\u00fchrung und Richterton hatten aber schon vorweggenommen, da\u00df tacheles verurteilt w\u00fcrde: Aus dem \u201dGesamtkontext des Artikels\u201d, ansonsten aber v\u00f6llig unerfindlich, \u201dergibt sich, da\u00df hier der Begriff der Volksverhetzung im Sinne des Strafgesetzbuches verwandt werden soll\u201d. \u201dDie Grenze\u201d sei \u201derreicht, wenn jemand zu Unrecht einer Straftat bezichtigt wird\u201d (Urteil S. 8; 10). Oberschlaues Fazit: Also habe tacheles die Menschenw\u00fcrde Kissels \u201d\u00fcbersehen\u201d \u2013 und ab daf\u00fcr! 30 Tagess\u00e4tze zu 30 DM plus Verfahrenskosten, danke, tsch\u00fcs.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Mit der Urteilsbegr\u00fcndung des Amtsgerichts Solingen h\u00e4tte sogar das Strafgesetzbuch neu geschrieben werden m\u00fcssen: \u201dDa\u00df Herr Kissel die historisch unangreifbar belegten Vorg\u00e4nge in Auschwitz nicht wahrhaben will, stellt keinen Angriff auf die Menschenw\u00fcrde von bestimmten Bev\u00f6lkerungskreisen dar.\u201d (Urteil S. 10)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Warum sollten wir uns von derartigen zynischen Irrungen ins Boxhorn jagen lassen? Erst recht forcierten wir nun Presse-, Solidarit\u00e4ts- und Spendenaktionen, die teilweise recht erfolgreich waren. Einige Spendenbeitr\u00e4ge gingen ein; Monitor und NDR-Panorama liefen sich regelrecht den Rang ab, als wir anfragten, ob sie \u00fcber Kissel senden wollten \u2013 Panorama machte das Rennen, weil der Sendetermin bereits kurz bevorstand. Am 12.9.96 flimmerte der Fall Kissel \u00fcber die deutschen Bildschirme&#8230;<\/span><\/p>\n<h1>\u2026f\u00e4llt selbst hinein<b><\/b><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">9.9.97: Berufungsverhandlung am Landgericht Wuppertal &#8211; der Vors. Richter kam sofort zur Sache, las das Gedicht und weitere Kissel-Zitate vor, wie z. B.: \u201d&#8230;h\u00e4lt sich die 6-Mill.-Behauptung immer noch weltweit, obwohl zumindest die Zahlenreduzierung in Auschwitz um 2,9 Mill. doch offenkundig ist. Nach meinem Empfinden kann es nicht mehr lange dauern, bis das gesamte L\u00fcgengeb\u00e4ude zusammenbricht und die Handlanger des Zionismus in Bonn ihre Koffer packen k\u00f6nnen.\u201d (Kissel in Die Bauernschaft 3\/93)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Beweisf\u00e4hige Schriftst\u00fccke werden am Richtertisch im Original vorgelegt. Der Richter r\u00fcmpft Stirn und Nase, macht Bemerkungen der Art, da\u00df Volksverhetzung und Auschwitzleugnung zweifellos vorliegen. Hierbei bezieht er sich auf ein Urteil des Bayerischen Oberlandesgerichtshofs, in dem ein \u00e4hnliches Gedicht, noch nicht einmal so faschistisch wie das von Kissel verbreitete, als eindeutig volksverhetzend eingestuft wurde. Anschlie\u00dfend zitiert der Richter einen Auszug aus einem historischen Standardwerk \u00fcber Judenverfolgung und \u2013vernichtung im 3. Reich, die Kammer erkl\u00e4rt die Inhalte des Berichts als durch Offenkundigkeit bewiesen \u2013 Ende der Beweisaufnahme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Dann das Pl\u00e4doyer unseres Rechtsanwalts Hartmann, K\u00f6ln. Einfach gl\u00e4nzend, der Mann. Sein Thema: \u201dThe Making Of Fashism\u201d und entsprechende Optionen G\u00fcnther Kissels, den er als neuen, modernen Nazi bezeichnete, der alles andere als ein \u201dEwig-Gestriger\u201d sei. Kissel habe die Nervenpunkte erkannt und leiste gezielt strategische Arbeit f\u00fcr eine neue Naziherrschaft. Mit den Ergebnissen moderner Forschung sei klargestellt, da\u00df Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge \u00e0 la Kissel keineswegs zuf\u00e4llig am Anfang aller faschistischen Politik stehe, im Gegenteil: Der rassistische Angriff auf \u201dFremde\u201d sei f\u00fcr die Herstellung des Faschismus elementar und zentral, bilde sich doch nur \u00fcber die allgegenw\u00e4rtige Stigmatisierung des Fremden das Gef\u00fchl des Herr-Seins und das \u201dnazistisch-v\u00f6lkische Selbst\u201d (Hannah Arendt), die Grundlage aller faschistischen Gewaltherrschaft, heraus. V\u00f6llig absurd sei, da\u00df tacheles vor Gericht stehe und nicht der Nazi Kissel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Sichtlich unwohl war dem Staatsanwalt bei seinem Pl\u00e4doyer. Trotz des brisanten Themas mehr oder weniger hohles Gebrabbel \u2013 aber der Antrag stimmte: Freispruch!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Den verk\u00fcndete der Richter nach kurzer Beratung. Kissels Auschwitzleugnung sei ohnehin zweifelsfrei, und Volksverhetzung geschehe immer dann, wenn Fremden das \u201dsoziale Lebensrecht\u201d abgesprochen wird. Genau!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Seit dem 9. 9. 1997 darf G\u00fcnther Kissel Volksverhetzer und Auschwitzleugner genannt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Da ist der Kissel also in einen klassischen Konter gelaufen. Juchhu, fast wie im M\u00e4rchen. Wir danken allen MitmacherInnen und Unterst\u00fctzerInnen auf das allerherzlichste. Weiter im Kampf gegen rechts!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Otto Mann<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer andern eine Grube gr\u00e4bt\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123],"tags":[23,9,24,5],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/613"}],"collection":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=613"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/613\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":614,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/613\/revisions\/614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}