{"id":566,"date":"2016-06-23T10:06:47","date_gmt":"2016-06-23T10:06:47","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=566"},"modified":"2016-06-23T10:06:47","modified_gmt":"2016-06-23T10:06:47","slug":"konkursverfahren-bei-bergfeld-hoppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=566","title":{"rendered":"Konkursverfahren bei Bergfeld &#038; Hoppe"},"content":{"rendered":"<p><b><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: xx-small;\">Ex und Hopp<\/span><\/span><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">\u00dcber dem alteingesessenen H\u00f6hscheider Metallfertigungsbetrieb Bergfeld &amp; Hoppe KG steht Konkursdrohung. W\u00e4hrenddessen geht die Produktion in ungedrosseltem Tempo weiter. <\/span><!--more--><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Jeden Tag, auch samstags und sonntags, wird in zwei Schichten produziert, Bremsnockenwellen f\u00fcr Mercedes, Spezialschrauben f\u00fcr MTU, Ankerschrauben f\u00fcr Atomkraftwerke u. a. Die w\u00e4hrend der Produktion verdampfenden hei\u00dfen \u00d6le verspritzen die Arbeiter best\u00e4ndig mit giftigen D\u00e4mpfen. Daf\u00fcr gibt es noch nicht einmal eine Schmutzzulage. Mineralwasser gibt es erst, wenn im Meisterb\u00fcro 30 Grad gemessen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Nachdem bereits mehrere Monate lang L\u00f6hne nur versp\u00e4tet (\u201dComputer kaputt\u201d) ausgezahlt worden waren, wurde Ende November 1996 vom damaligen Chef\u00a0 Bergfeld sen. Konkursantrag gestellt. Die Arbeiter wurden ohne Belegschaftsversammlung, ohne n\u00e4here Informationen, ohne Weihnachtsgeld und ohne Lohn in den Weihnachtsurlaub und ins Neue Jahr geschickt. F\u00fcr leere K\u00fchlschr\u00e4nke, Zahlungsverz\u00fcge bei Banken, Vermietern, Telekom usw. mu\u00dften die Besch\u00e4ftigten selbst geradestehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Am 3.1.97 fanden die zur\u00fcckkehrenden Arbeiter einen Betrieb vor, in dem alle Leitungen durch Frostsch\u00e4den au\u00dfer Funktion gesetzt waren. Jemand von der Gesch\u00e4ftsleitung, der entsprechenden Zugang hatte, hatte die Stromversorgung, die die Notversorgung, u. a. die Notheizung f\u00fcr Sondermaschinen sichern, abgestellt. Ob dies nur Fahrl\u00e4ssigkeit zur Ursache hatte, blieb unklar. Der pl\u00f6tzliche K\u00e4lteeinbruch hatte dann zum v\u00f6lligen Zusammenbruch des gesamten Produktionssystems gef\u00fchrt. Bei kaputten Fenstern mit nur Pappe drin lie\u00df der Ofen die Temperaturen nur bis 5 Grad minus ansteigen. Es dauerte \u00fcber zwei Tage, bis die frierenden Arbeiter die Produktion wieder ans Laufen brachten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Erst am 8.1.97 erhielten die Besch\u00e4ftigten einen Brief des zum Sequestor bestellten Rechtsanwalts Maus, aus dem hervorging, da\u00df in 2 \u2013 3 Wochen Konkursausfallgeld vom Arbeitsamt gezahlt w\u00fcrde. Mindestens zwei Monate erhielten die Bergfeld-Arbeiter ihren Lohn vom Arbeitsamt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Einige Wochen sp\u00e4ter war Gl\u00e4ubigertermin beim Konkursrichter. Nicht ein einziger Gl\u00e4ubiger erschien! Tags drauf erschien im Tageblatt ein Artikel, in dem die verbliebene Masse des Betriebes als durchaus hoffnunggebend f\u00fcr den Weiterbestand des Unternehmens beschrieben wurde. Mehr als nur gemunkelt wurde, da\u00df K\u00e4ufer bereit st\u00fcnden, die den Betrieb unter Umst\u00e4nden \u00fcbernehmen wollten. Welcherart Umst\u00e4nde damit gemeint waren, blieb den Besch\u00e4ftigten von Anfang an kaum verborgen. Es ging um \u201dberechenbare Einsparungspotentiale aus der Personalproblematik\u201d in der \u201dneu zu gr\u00fcndenden Gesellschaft\u201d. Zu diesem Zweck mu\u00dften die weiterbrasselnden Arbeiter bereits dreimal in diesem Jahr ihre eigene K\u00fcndigung in Form eines \u201dAufhebungsvertrags\u201d unterschreiben: \u201d\u2026Grund f\u00fcr die einverst\u00e4ndliche Aufhebung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses ist die \u2026 bevorstehende Betriebsstillegung. Nach Konkurser\u00f6ffnung ist eine Fortsetzung des Betriebes wegen drohender Masseunzul\u00e4nglichkeit nicht gew\u00e4hrleistet.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Auf diese Weise wurde die Belegschaft, die zu 90 % aus Ausl\u00e4ndern (\u00fcberwiegend unkundig im Schriftdeutschen) besteht, regelrecht weichgeklopft. Dabei hatte die Bergfeld &amp; Hoppe KG bereits alle\u00a0 tarifvertraglichen Bindungen \u00fcber Bord geworfen, als das Unternehmen vor einigen Jahren aus dem Arbeitgeberverband austrat. Im Juli dieses Jahres nun lie\u00df die \u201dvon Herrn Dr. Bergfeld neu zu gr\u00fcndende Gesellschaft\u201d die Katze aus dem Sack: Alle Arbeiter, die weiter besch\u00e4ftigt werden wollten, sollten eine \u201dErkl\u00e4rung\u201d unterschreiben und dabei folgendem \u201dL\u00f6sungsvorschlag\u201d zustimmen: \u201dBeteiligung aller Arbeitnehmer (auch der Unternehmer) an m\u00f6glichen die Planung \u00fcbersteigenden Anlaufverlusten im Zeitraum von 1997 bis 2000\u201d. &#8222;Bis morgen&#8220; m\u00fcsse &#8222;jeder&#8220; unterschreiben. Ein schwacher Trost, da\u00df die Unternehmer \u201dauch\u201d an ihrem ureigenen Gesch\u00e4ftsrisiko\u00a0 beteiligt sein sollen, dazu noch in Klammern \u2013 im \u00fcbrigen sollen alle Verluste k\u00fcnftig auf die Arbeiter abgew\u00e4lzt werden! Erster Einstieg in das gew\u00fcnschte Niedrigst- lohn-Schlaraffenland ist eine \u201dlineare K\u00fcrzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld bei Eintreten eines nicht geplanten Verlustes im Rumpfge-sch\u00e4ftsjahr 1997 und in den Jahren 1998 &#8211; 2000.&#8220; Beispiele aus der zu unterzeichnenden &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220;: Ist der Verlust f\u00fcr 1997 auch nur um 100.000 DM h\u00f6her als &#8222;geplant&#8220;, so werden den Arbeitern genau diese &#8222;100 TDM&#8220; = 56 % des Weihnachtsgelds abgezogen. Jede Verlustbeteiligung der Unternehmer ist ausgeschlossen, die Arbeiter tragen den gesamten Verlust. Bei &#8222;200 TDM&#8220; wird &#8222;das Weihnachtsgeld zu 100 % nicht gezahlt&#8220; und &#8222;9 %&#8220; des Urlaubsgelds &#8222;gek\u00fcrzt&#8220;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Dann sind ab 350 TDM ungeplantem Verlust Weihnachts- und Urlaubsgeld ganz futsch und bei ca. 5 Millionen Firmenminus (w\u00fcrde auch niemanden \u00fcberraschen) w\u00e4re dann wohl der volle Lohn weg&#8230; W\u00fcrden Sie eine solche &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220; unterschreiben? Die Mehrheit der Besch\u00e4ftigten von Bergfeld &amp; Hoppe hat&#8217;s getan. Dabei ist jede wirksame Einflu\u00dfnahme auf das &#8222;Planrechnungsergebnis&#8220; ausgeschlossen. Stattdessen gibt&#8217;s &#8222;Risikoabsicherung durch einzelvertragliche Gestaltung&#8220;. Wer das unterschrieben hat, wird zusehen m\u00fcssen, wie die Geier \u00fcber ihn herfallen &#8211; die K\u00e4ufer der &#8222;Konkursmasse&#8220; der Bergfeld &amp; Hoppe KG reiben sich jetzt schon die H\u00e4nde&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Otto Mann<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex und Hopp \u00dcber dem alteingesessenen H\u00f6hscheider Metallfertigungsbetrieb Bergfeld &amp; Hoppe KG steht Konkursdrohung. 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