{"id":1349,"date":"2018-04-18T14:43:47","date_gmt":"2018-04-18T14:43:47","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1349"},"modified":"2018-04-18T16:16:51","modified_gmt":"2018-04-18T16:16:51","slug":"cannavis-als-medizin-teil-2-in-der-umsetzung-scheitert-die-neue-gesetzgebung-gleich-an-mehreren-stellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1349","title":{"rendered":"Cannabis als Medizin &#8211; Teil 2: In der Umsetzung scheitert die neue Gesetzgebung gleich an mehreren Stellen!"},"content":{"rendered":"<p>Bei mehr als 50 verschiedenen Erkrankungen kann Cannabis hilfreich eingesetzt werden. So kann Hanf z. B. Schmerzen und Kr\u00e4mpfe bei Multipler Sklerose lindern, sowie epileptische Anf\u00e4lle mindern. Es kann den Appetit von Aidspatienten und Krebskranken anregen und die \u00dcbelkeit bei der Chemotherapie d\u00e4mpfen. Auch viele ADHS-Patienten und Menschen mit Depressionen k\u00f6nnten von Cannabis profitieren.<br \/>\nSeit dem 10.3. 2017 d\u00fcrfen \u00c4rzte in Deutschland endlich Cannabis auf Rezept verordnen. Die Krankenkassen sind seitdem f\u00fcr die Kosten\u00fcbernahme zust\u00e4ndig.<!--more--><\/p>\n<p>1. Problem: Die Gesetzgebung ist zu schwammig formuliert.<br \/>\nEs gibt in der neuen Gesetzgebung keine exakten Definitionen von Krankheitsbildern, bei denen Cannabis verordnet werden darf. Das er\u00f6ffnet den Krankenkassen die M\u00f6glichkeit, selbst auszulegen, ob sie zahlen oder nicht.<br \/>\n2. Problem: \u00c4rzte sind bei der Verschreibung verunsichert und sorgen sich zus\u00e4tzlich um ihr Praxis-Budget.<br \/>\n\u00c4rzte in Deutschland d\u00fcrfen jetzt zwar ganz legal auf Rezept verschreiben, um Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen und Schmerzen zu helfen.<br \/>\nAber was eigentlich patientenfreundlich klingt, erweist sich in der Umsetzung bisher als Flop:<br \/>\nNicht nur die Krankenkassen stellen sich quer &#8211; h\u00e4ufig finden Schwerkranke erst gar keinen Kassenarzt, der ihnen Cannabisbl\u00fcten auf Rezept verschreiben will. Zu gro\u00df ist die Unsicherheit im Umgang mit dem unbekannten Arzneimittel.<br \/>\nSchon weil ihnen die medizinische Erfahrung fehlt und sie den zus\u00e4tzlichen Papierkram f\u00fcrchten, z\u00f6gern viele \u00c4rzte mit der Verschreibung.<br \/>\n\u0002In der Praxis erweist sich das Gesetz als B\u00fcrokratie-Monster\u0003, best\u00e4tigt der Arzt Franjo Grotenhermen, der sich seit Jahren f\u00fcr Cannabis als Medizin engagiert. Die Verschreibung berge f\u00fcr Mediziner ein hohes finanzielles Risiko: \u0002\u00c4rzten droht wegen der hohen Kosten f\u00fcr Cannabis ein Regress bei \u00dcberschreitung ihres Budgets.\u0003<br \/>\nEin zus\u00e4tzliches Problem: Weil Cannabis so lange verboten war, sind die Wirkungen der Inhaltsstoffe kaum erforscht worden. Nur wenige \u00c4rzte trauen sich deshalb, medizinisches Cannabis zu verschreiben.<br \/>\n3. Problem: Krankenkassen haben Angst vor einer Kostenexplosion.<br \/>\nDa sich nach Sch\u00e4tzung der TechnikerKrankenkasse die Kosten f\u00fcr eine Behandlung mit Cannabisbl\u00fcten auf bis zu 23.310,- Euro im Jahr belaufen, scheinen die Kassen einen guten Grund darin zu sehen, die Rezepte durch ihre medizinischen Dienste pr\u00fcfen zu lassen\u0004 spart doch jede Ablehnung viel Geld!<br \/>\nW\u00e4hrend die Zahl der Antr\u00e4ge zur Verordnung von Cannabis steigt, lehnen die Krankenkassen sie bei fast jeden zweiten Patienten ab.<br \/>\nGab es vor Inkrafttreten des Gesetzes gerade mal etwas mehr als 1.000 Bewilligungen f\u00fcr die Nutzung von Cannabis als Medizin, wurden in der Praxis seit M\u00e4rz bundesweit bisher etwa die H\u00e4lfte von insgesamt knapp 6.000 Antr\u00e4gen f\u00fcr die Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr medizinisches Cannabis abgelehnt.<br \/>\nGerade die gro\u00dfen Kassen scheinen ihren Cannabis-Patienten nur wenig entgegen zu kommen.<br \/>\n\u00dcber die hohe Dunkelziffer derer, die bei den zahlreichen kleinen Versicherungen die \u00dcbernahme der Kosten beantragt haben, ist bisher nur wenig bekannt.<br \/>\nAuch zu den Patienten, die sich nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes ein Cannabis-Rezept auf Privatkosten haben ausstellen lassen, ohne dessen Erstattung zu beantragen, gibt es bis jetzt noch keine Statistiken. Der AOK-Bundesverband und die TechnikerKrankenkasse schieben die Verantwortung f\u00fcr die Ablehnungen ganz einfach den \u00c4rzten zu: sie w\u00fcrden oftmals die RezeptVerschreibung nicht ausreichend oder nur sehr unvollst\u00e4ndig begr\u00fcnden. Laut der neuen Gesetzgebung d\u00fcrfen \u00c4rzte die Bl\u00fcten oder Extrakte n\u00e4mlich nur verschreiben, wenn die Standardtherapien nicht mehr helfen, oder wenn eine \u0002nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine sp\u00fcrbare positive Entwicklung auf den Krankheitsverlauf\u0003 besteht.<br \/>\nDiese schwammige Formulierung gibt den Krankenkassen die M\u00f6glichkeit, die Verschreibungsnotwendigkeit gro\u00dfz\u00fcgig nach eigenem Ermessen auslegen. Es fehlen in der neuen Gesetzgebung ganz einfach klar definierte Kriterien f\u00fcr eine Verschreibung von Cannabis als Medizin; das best\u00e4tigt auch der Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).<br \/>\nHier muss also dringend nachgebessert werden!<br \/>\n4. Problem: Kostenexplosion in den Apotheken!<br \/>\nWer als Patient endlich alle H\u00fcrden vom Arzt bis \u00fcber die Krankenkasse \u00fcberwunden hat, muss trotzdem auf das helfende Cannabis warten: F\u00fcr Deutsche Patienten gibt zurzeit nur noch Reste.<br \/>\nBisher importierte Deutschland die medizinischen Bl\u00fcten komplett aus den Niederlanden oder aus Kanada. Aber angesichts der gestiegenen Nachfrage kommt es derzeit zu ersten gro\u00dfen Lieferengp\u00e4ssen.<br \/>\n\u00dcbereinstimmend berichten Betroffene, dass ihre Apotheke von den deutschen Gro\u00dfh\u00e4ndlern nicht mit medizinischem Cannabis beliefert werden kann. Nur die Apotheken, die sich vorab einen gr\u00f6\u00dferen Cannabis-Vorrat angelegt hatten, sind derzeit \u00fcberhaupt noch in der Lage, einige wenige niederl\u00e4ndische Sorten anzubieten. \u0002Viele Patienten melden uns, dass sie ihre Rezepte seit mehreren Wochen in der Apotheke nicht mehr einl\u00f6sen k\u00f6nnen\u0003, berichtet Florian Rister vom Deutschen Hanfverband.<br \/>\nVor allem beim holl\u00e4ndischen Hersteller Bedrocan seien \u0002nicht gen\u00fcgend Medizinal-Cannabisbl\u00fcten vorhanden\u0003, um die Bestell-ungen zu bedienen, sagt eine Sprecherin des BfArM (Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte).<br \/>\nDie in Kanada produzierten etwa elf Sorten med. Cannabis sind mit Ausnahme vereinzelter Restbest\u00e4nde derzeit gar nicht lieferbar. Die bevorstehende Legalisierung in Kanada wird dieses Problem sogar noch versch\u00e4rfen, da man in Kanada f\u00fcr Juli 2018 schon jetzt Engp\u00e4sse erwartet. Zus\u00e4tzlich ist es im Prinzip weitaus einfacher und unb\u00fcrokratischer f\u00fcr kanadische Produzenten, den heimischen Markt f\u00fcr erwachsene Freizeit-User zu bedienen, anstatt sich mit langwierigen Ex-und Importgenehmigungsprozessen herumzuschlagen.<br \/>\nMit einer Verbesserung der Lage ist also vorerst nicht zu rechnen.<br \/>\nUnd weil Cannabis als Rezepturarzneimittel und nicht als Fertigarzneimittel gekennzeichnet werden muss, k\u00f6nnen die Apotheken bis zu 100 % auf den Einkaufspreis aufschlagen, wovon sie unter den gegebenen Umst\u00e4nden selbstverst\u00e4ndlich Gebrauch machen. Deshalb liegen die Preise aktuell bei etwa 24,- Euro pro Gramm \u0001 und damit mehr als doppelt so hoch wie auf dem Schwarzmarkt!!!<br \/>\nAls Fazit all dieser Fakten stellt sich die Frage: Ist die Legalisierung des Eigenanbaus nicht die bessere Alternative?<br \/>\nAusgerechnet bei den Schwerkranken, f\u00fcr die es eigentlich gemacht wurde, versagt unter den genannten Umst\u00e4nden das neue Gesetz zur Verordnung von Cannabis als Medizin.<br \/>\nSollte ihre Notlage nicht eigentlich durch eine stabile Versorgung in den Apotheken und mit der Kostenerstattung durch die Krankenkassen aufgel\u00f6st werden?<br \/>\nDurch dieses halbherzig umgesetztes Projekt wird nur die Verschreibung und die Erstattung von Cannabis legal \u0001 der Eigenanbau bleibt jedoch weiterhin verboten.<br \/>\nIst die neue Gesetzgebung vielleicht nur eine Reaktion auf vermehrte Gerichtsurteile mit Freispr\u00fcchen f\u00fcr Patienten, die sich per Eigenanbau selbst versorgt haben?<br \/>\nReagierte Bundesgesundheitsminister Hermann Gr\u00f6he (CDU) damit etwa nur auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts?<br \/>\nNoch vor gut einem Jahr hatten die h\u00f6chsten Richter einem MS-Patienten den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt. Sollte aber die Versorgung der Cannabis-Patienten bis 2019 weiter so schlecht funktionieren, wie sie es derzeit tut, steigen damit wahrscheinlich auch wieder die Chancen f\u00fcr Cannabis-Patienten, vor Gericht zu klagen, um den Anbau ihrer Medizin in die eigene Hand zu nehmen.<\/p>\n<p>Quelle u. a.: Deutscher Hanfverband<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Birgit Correns<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei mehr als 50 verschiedenen Erkrankungen kann Cannabis hilfreich eingesetzt werden. So kann Hanf z. B. Schmerzen und Kr\u00e4mpfe bei Multipler Sklerose lindern, sowie epileptische Anf\u00e4lle mindern. 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