{"id":625,"date":"2016-06-27T17:40:31","date_gmt":"2016-06-27T17:40:31","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=625"},"modified":"2016-06-27T17:47:18","modified_gmt":"2016-06-27T17:47:18","slug":"spiel-nicht-mit-den-schmuddelkindern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=625","title":{"rendered":"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern"},"content":{"rendered":"<h1>oder das Ende des BIBO am Werwolf<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">In Solingen besteht seit Anfang der 80er Jahre f\u00fcr B\u00fcrgerinitiativen die M\u00f6glichkeit, sich in R\u00e4umlichkeiten zu treffen, die eigens hierf\u00fcr geschaffen worden sind. <\/span><!--more--><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Begonnen hat alles 1981. Verschiedene Initiativen (Solinger Volksblatt, Aktion Wohnungsnot, Anti-AKW-Gruppe, Kanal 4, etc.) mieteten auf der Burgstra\u00dfe ein B\u00fcro an und gr\u00fcndeten das B\u00fcrger- und Medienzentrum. Mit Erstarken der Gr\u00fcnen stellte sich f\u00fcr die Gruppen und jeden einzelnen aktiven Menschen, die Frage, wie er es mit dieser neuen Partei halte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die Wahlerfolge und der diskrete Charme des Parlamentarismus erkl\u00e4ren, warum die meisten den Reizen dieser neuen ja so ganz anderen Partei unterlagen. Daher war es damals selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df die Gr\u00fcnen in dieses Zentrum integriert wurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die doch sehr vereinzelt vorgetragenen Kritikpunkte, da\u00df die St\u00e4rke der sozialen Bewegungen in ihrer \u00dcberparteilichkeit liegen und der Parlamentarismus nicht der Weg sein kann, seine Ziele durchzusetzen, trafen ganz und gar nicht den Zeitgeist. Schlie\u00dflich verstanden sich die Gr\u00fcnen als parlamentarischer Arm der Bewegungen, der sogar mit Hilfe der Wahlkampfkostenr\u00fcckerstattung die Initiativen unterst\u00fctzen und nat\u00fcrlich auch die Finanzierung der angemieteten R\u00e4ume gew\u00e4hrleisteten konnte. Ein Problem, da\u00df Menschen, die nicht mit den Gr\u00fcnen sympathisieren, aus diesen Zusammenh\u00e4ngen ausgegrenzt werden k\u00f6nnten, sah man nicht, da f\u00fcr die Gr\u00fcnen klar war, da\u00df sie auf jeden Fall diese Widerspr\u00fcche bequem aushalten w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Letztendlich mietete man R\u00e4ume am Werwolf an und \u00fcber viele Jahre sah es scheinbar so aus, als wenn diese Konstruktion f\u00fcr beide nur Vorteile h\u00e4tte. Die Gr\u00fcnen verloren nicht den Kontakt zur Basis und die Initiativen hatten R\u00e4umlichkeiten um sich zu treffen. Vor allem aber gab es f\u00fcr neu entstehende Bewegungen direkt einen Anlaufpunkt. Das Friedensforum, die Initiative gegen die Volksz\u00e4hlung, die Demonstrationen gegen den Golfkrieg, die vom BIBO aus organisiert wurden und auch die Entstehung des Solinger Appells, der sich nach dem Brandanschlag gr\u00fcndete, zeigen deutlich die Notwendigkeit an, da\u00df es einen Ort in dieser unserer Stadt geben mu\u00df, an denen sich kritische politisch Geister treffen k\u00f6nnen. Bis vor kurzem nutzten die tacheles, der Solinger Appell, der Freundeskreis der PDS, eine kurdische Gruppe und die Grauen Panther, neben den Gr\u00fcnen das BIBO.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Jedoch konnten auf Dauer diese positiven Aspekte folgende Entwicklung nicht \u00fcberlagern: Was anfangs ironisierend nur als diskreter Charme empfunden wurde, erwies sich als Krake. Die Gr\u00fcnen gingen immer mehr in der parlamentarischen Arbeit auf. Die daraus logisch folgende \u00dcbernahme ganz normaler Politikmuster, f\u00fchrte einerseits zur Integration der Gr\u00fcnen in die herk\u00f6mmliche Parteienlandschaft, andererseits zu Diskrepanzen mit den Gruppen, die fr\u00fcher die Gr\u00fcnen auch als ihre Basis ansahen. Eine Folge ist, da\u00df f\u00fcr viele Leute, die in diesen Bewegungen t\u00e4tig sind, die Politik der Gr\u00fcnen nicht mehr mit den eigenen Vorstellungen kompatibel ist. Das Verh\u00e4ltnis zu den Gr\u00fcnen ist z. B. in der tacheles Redaktion sehr umstritten. F\u00fcr einige sind die Gr\u00fcnen nicht mal mehr auf kommunaler Ebenen w\u00e4hlbar, w\u00e4hrend andere noch aktive Mitglieder sind. Aufgrund diesen Verlaufs der Geschichte erschien es nicht abwegig, wenn sich auch in Solingen die Wege der Gr\u00fcnen und der verbliebenen Bewegungen, den urspr\u00fcnglichen Geburts-helferInnen der Gr\u00fcnen, die sich anfangs selbst mehr als Bewegung denn als Partei verstanden, nicht nur ideologisch, sondern auch r\u00e4umlich trennen. Der Beschlu\u00df der Gr\u00fcnen Mitgliederversammlung, diesen Schritt zu unternehmen, und sich eigene B\u00fcror\u00e4ume ohne Initiativen zu mieten, \u00fcberrascht daher nicht. Bis zum 31.3.1998 soll dies geschehen. Das BIBO am bisherigen Ort wird es nicht mehr geben. Nun kann man denken, da\u00df dies eine saubere L\u00f6sung ist. Doch die Verfahrensweise, wie sich die Gr\u00fcnen, von ihren \u201dAltlasten\u201d befreit haben, sagt doch einiges \u00fcber den Anpassungsproze\u00df dieser Partei aus. Eines sch\u00f6nen Tages, als wir, die tacheles Redaktion, unser letztes Treffen vor dem Proze\u00df gegen Kissel hatten, standen wir vor verschlossenen T\u00fcren. Die Schl\u00f6sser des BIBO waren ausgewechselt. Neben der tacheles erhielten weder der Solinger Appell noch der Freundeskreis der PDS und die kurdische Gruppe neue Schl\u00fcssel. Der Vorwurf lautete: Das Vertrauensverh\u00e4ltnis sei zerst\u00f6rt, da die Klos wiederholt verdreckt seien, es zu L\u00e4rmbel\u00e4stigungen gekommen sei und&#8230; und.. und.. In den Gespr\u00e4chen, die wir mit den Gr\u00fcnen Hausherren und \u2013 Damen f\u00fchrten, um wieder einen Schl\u00fcssel zu erhalten, entpuppten sich die Vorw\u00fcrfe gegen uns und die meisten anderen unerw\u00fcnschten Gruppen als v\u00f6llig haltlos. Der angeblich gestohlene Computer, der f\u00fcr die Stadtzeitungserstellung vom \u00d6kofonds gespendet worden war, erwies sich als von der tacheles Redaktion f\u00fcr das Layout ausgeliehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Bei der Mitgliederversammlung der Gr\u00fcnen am 24. 9., die nach der Weigerung des gr\u00fcnen Vorstandes vom Sommer nur zustande kam, weil 16 gr\u00fcne Mitglieder mit ihrer Unterschrift eine au\u00dferordentliche MV beantragten, hatten die Initiativen nur die M\u00f6glichkeit, durch ein kurzes Statement, die Vorw\u00fcrfe\u00a0 zu\u00a0 entkr\u00e4ften,\u00a0 an\u00a0 der\u00a0 Diskussion durften wir nicht teilnehmen. Schlie\u00dflich fand man trotz alledem einen Kompromi\u00df. Der Appell und die tacheles erhielten unter Auflagen wieder einen Schl\u00fcssel und k\u00f6nnen bis zur endg\u00fcltigen Aufgabe der R\u00e4ume am Werwolf diese weiter nutzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ach ja, eine von den Initiativen immer wieder geforderte Diskussion \u00fcber die politischen Beweggr\u00fcnde der Gr\u00fcnen f\u00fcr ihr Verhalten fand niemals statt. Einzig stellte Reiner Daams die Gegenfrage, was denn diese Gruppen den Gr\u00fcnen geben w\u00fcrden. Hier wird ein N\u00fctzlichkeitsdenken von Parteistrategen deutlich. Nun es ist wohl auch nicht Aufgabe dieser unabh\u00e4ngigen Gruppen, Gr\u00fcne Parteiarbeit zu machen. Die Frage zielte wohl eher darauf ab, den Nutzen f\u00fcr die Gr\u00fcnen im Wahljahr 1998 festzustellen. Es wird wohl so sein, da\u00df die Gr\u00fcnen die Gelegenheit genutzt haben, eine Trennung von den linken Schmuddelkindern zu vollziehen. Als Stimmvieh sind diese eh nicht mehr zu gebrauchen (leider auch mangels Masse). Sie sind eher ein Hindernis, breitere Schichten \u201daus der Oberstadt\u201d anzusprechen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">F\u00fcr die tacheles und die anderen Gruppen geht es nun darum, andere R\u00e4umlichkeiten zu finden. Wer immer uns dabei behilflich sein kann, oder neue R\u00e4ume mitnutzen will, melde sich bitte bei unserer Kontaktadresse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Gerd Kunde<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder das Ende des BIBO am Werwolf In Solingen besteht seit Anfang der 80er Jahre f\u00fcr B\u00fcrgerinitiativen die M\u00f6glichkeit, sich in R\u00e4umlichkeiten zu treffen, die eigens hierf\u00fcr geschaffen worden sind.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123],"tags":[110,109,5],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/625"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=625"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/625\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":632,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/625\/revisions\/632"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=625"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=625"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=625"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}