{"id":520,"date":"2016-06-22T14:55:44","date_gmt":"2016-06-22T14:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=520"},"modified":"2016-06-22T14:55:44","modified_gmt":"2016-06-22T14:55:44","slug":"32-stunden-woche-der-richtige-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=520","title":{"rendered":"32-Stunden-Woche \u2013 der richtige Weg?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Am 9.April diesen Jahres schlug der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, die generelle 32-Stunden-Woche unter Ber\u00fccksichtigung eines differenzierten Lohnverzichts der ArbeitnehmerInnen vor. <\/span><!--more--><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Er hat einerseits den Abbau der \u00fcber 4,5 Millionen Arbeitslosen als auch die Sicherung der vorhandenen Arbeitspl\u00e4tze zum Ziel, die im Rahmen weiterer Rationalisierung immer mehr gef\u00e4hrdet erscheinen. Au\u00dfer der strikten Ablehnung seitens der ArbeitgeberInnen bekam dieser Vorschlag auch auf der ArbeitnehmerInnenseite nur eine geringe Resonanz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die ablehnende Haltung der Arbeitgeberverb\u00e4nde war unter Ber\u00fccksichtigung historischer Aspekte vorauszusehen. Bereits Ende des letzten Jahrhunderts wurde der 8-Stunden Tag gefordert, durchsetzen lie\u00df sich dieser in Deutschland aber erst ab 1918, wobei der Samstag allerdings weiterhin normaler Arbeitstag war. 1931 forderten die Gewerkschaften zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit, die letztlich auch zu Hitlers Machtergreifung beitrug, erstmals die Einf\u00fchrung der 40 Stunden-Woche. Diese konnte jedoch vollst\u00e4ndig erst 1975 nach jahrzehntelangen Arbeitsk\u00e4mpfen durchgesetzt werden. Mittlerweile hat die IG-Metall die 35-Stunden-Woche durchgesetzt, wobei in den vielen kleinen und mittleren Betrieben der metallverarbeitenden Industrie Solingens die 40-Stunden-Woche mit regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberstunden durchaus \u00fcblich ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die Argumente der ArbeitgeberInnenseite gegen eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung waren dabei immer die gleichen. Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II. stellte bereits fest, da\u00df die Arbeiter seine zus\u00e4tzliche freie Zeit im Wirtshaus verbringe oder mehr als bisher an agitatorischen Versammlungen teilnehme (das letztere Problem scheint dank Fernsehen fast gel\u00f6st). Auch f\u00fchre die Arbeitszeitverk\u00fcrzung zu einer unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Belastung der deutschen Industrie gegen\u00fcber der ausl\u00e4ndischen. Gerade das letzte Argument wird seitens der ArbeitgeberInnen und der Bundesregierung auch heute im Rahmen der Globalisierung der Wirtschaft gegen eine weitere Arbeitszeitverk\u00fcrzung angef\u00fchrt. Es m\u00fcsse nicht weniger, sondern eher mehr f\u00fcr das gleiche Geld gearbeitet werden. Bundesinnenminister Kanther m\u00f6chte z.B. die 38,5-Stunden-Woche im \u00f6ffentlichen Dienst wieder auf 40 Stunden erh\u00f6hen, obwohl bereits im Jahr 1996 78.000 Stellen im \u00f6ffentlichen Dienst abgebaut wurden.<\/span><\/p>\n<table border=\"\" width=\"100%\" cellspacing=\"10\" cellpadding=\"0\" bgcolor=\"#CCCCCC\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">&#8222;Bis zum Jahr 1975 wird der durchschnittliche Stundenlohn des Arbeiters auf 7,84 DM steigen<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">und seine Arbeitszeit auf 35 Stunden in der Woche fallen.&#8220;<\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">(Wahlkampfanzeige der CDU 1965)<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Deutschland macht die Arbeitsstunde nicht unbedingt teurer als in anderen L\u00e4ndern. Durch die hohe Produktivit\u00e4t einer Arbeitsstunde, die weltweit in Deutschland neben Schweden am h\u00f6chsten ist wird dieses wieder ausgeglichen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Selbst wenn die Kosten eines Arbeitsplatzes sinken, werden die ArbeitgeberInnen nur sehr begrenzt in Deutschland investieren und neue ArbeitnehmerInnen anstellen. Ein Unternehmen mu\u00df heute dort produzieren, wo es was verkaufen kann. Dies ist bei einer exportorientierten Wirtschaft, wie der deutschen, nicht das eigene Land sondern z. B. die USA. Fakt ist zudem, da\u00df es den ArbeitgeberInnen nicht um mehr Besch\u00e4ftigung geht, wenn sie \u00fcber die ach so hohen Arbeitskosten in Deutschland jammern. F\u00fcr sie ist eine hohe Arbeitslosigkeit positiv &#8211; Einkommensw\u00fcnsche der Arbeit-nehmerInnen lassen sich aufgrund der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust zu Zugest\u00e4ndnissen der ArbeitnehmerInnenseite umkehren. Die Gewinne, die durch die erh\u00f6hte Produktivit\u00e4t anfallen, kommen vollst\u00e4ndig der Arbeitgeberseite bzw. den Aktion\u00e4ren zugute.<\/span><\/p>\n<h1>Arbeitnehmer ist derjenige, der die Arbeit gibt, Arbeitgeber ist derjenige. der die Arbeit nimmt.<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Doch warum reagiert die ArbeitnehmerInnen-seite so reserviert auf Zwickels Vorschlag? Hier spielt wahrscheinlich auch der Egoismus der Arbeitsplatzbesitzenden gegen\u00fcber den Arbeitslosen eine Rolle, da ein Einkommensverzicht nat\u00fcrlich vielen nicht leichtf\u00e4llt. Hierbei sollte allerdings ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df ein Arbeitsloser in der Regel mit wesentlich weniger Geld auskommen mu\u00df. Die Besch\u00e4ftigten finanzieren auch heute die Millionen von Arbeitslosen einschlie\u00dflich deren Familien \u00fcber ihre Sozialabgaben und ihre Steuerzahlungen mit. Wenn durch eine 32-Stunden-Woche mehr Menschen Arbeit finden w\u00fcrden, so k\u00f6nnten die Steuern und die Sozialabgaben gesenkt werden, so da\u00df netto f\u00fcr den Arbeitnehmer nicht viel weniger \u00fcbrigbleiben w\u00fcrde als heute. Wenn die ArbeitnehmerInnen nicht bereit sind, sich f\u00fcr die gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der vorhandenen Arbeit und damit auch des Wohlstandes einzusetzen, so werden sie auch ihre Arbeitspl\u00e4tze im Zuge der fortschreitenden Produktivit\u00e4tssteigerung und der damit einhergehenden Rationalisierung eines Tages gef\u00e4hrdet sehen. Wenn auch der Einwand berechtigt ist, da\u00df eine generelle 32-Stunden-Woche zu undifferenziert sei, so scheint der Vorschlag dennoch in die richtige Richtung zu gehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ob die ArbeitnehmerInnen ihre zus\u00e4tzliche freie Zeit dann im Wirtshaus verbringen oder trotz der Warnungen Wilhelms II. an agitatorischen Versammlungen teilnehmen, bleibt abzuwarten. Letzteres w\u00e4re zumindestens w\u00fcnschenswert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Peanuts<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9.April diesen Jahres schlug der Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, die generelle 32-Stunden-Woche unter Ber\u00fccksichtigung eines differenzierten Lohnverzichts der ArbeitnehmerInnen vor.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[84],"tags":[93,86,92,13],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/520"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=520"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/520\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":521,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/520\/revisions\/521"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}