{"id":475,"date":"2016-06-22T10:10:25","date_gmt":"2016-06-22T10:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=475"},"modified":"2016-06-22T11:15:02","modified_gmt":"2016-06-22T11:15:02","slug":"frauen-auf-der-flucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=475","title":{"rendered":"Frauen auf der Flucht"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Weltweit sind mehr als 80% aller Fl\u00fcchtlinge Frauen und Kinder. Unter denjenigen AsylbewerberInnen, die in den reichen Staaten des Nordens dauerhaften Schutz erhalten, stellen sie jedoch die Minderheit dar.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten werden verfolgt, gefoltert oder\/und get\u00f6tet, weil sie mit politischen M\u00e4nnern verwandt sind, (z.B. Kurdinnen und T\u00fcrkinnen), weil sie selbst der Opposition angeh\u00f6ren, weil sie lesbisch sind, weil sie gegen herrschende gesellschaftliche Normen versto\u00dfen (z.B. gegen die islamische Kleiderordnung, gegen die Klitorisbeschneidung), oder weil sie einer ethnischen Minderheit angeh\u00f6ren. \u00dcberall auf der Welt sind Frauen Opfer von Konfliktgeschehen, auch wenn sie selbst keinen Anteil an diesen haben.<\/span><\/p>\n<h1>Warum Frauen fl\u00fcchten<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die allt\u00e4gliche Unterdr\u00fcckung von Frauen findet ihre grausame Fortsetzung in den Vergewaltigungen der Kriege. Schon seit Jahrhunderten stellt die Vergewaltigung von Frauen ein Element der Kriegsf\u00fchrung dar.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Trotz des seit 1949 geltenden Verbots wird Vergewaltigung heute immer noch als legitime Kriegswaffe erachtet. In den 90er Jahren stellen hier die F\u00e4lle aus Bosnien-Herzegowina, Peru, Kuwait, Liberia usw. erschreckende Beispiele dar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Systematische Gewalt an Frauen existiert allerdings nicht nur in Form von Vergewaltigungen. Zwangsprostitution, gyn\u00e4kologische Zwangsuntersuchungen (z.B. in der T\u00fcrkei) oder die Verfolgung lesbischer Frauen sind nur einige weitere Beispiele f\u00fcr die Vielf\u00e4ltigkeit des Sexismus weltweit.<\/span><\/p>\n<h1>Frauen auf der Flucht<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Von sexuellen \u00dcbergriffen betroffen sind aber besonders auch die Frauen und M\u00e4dchen, die sich auf der Flucht befinden. So schildert eine \u00c4thiopierin, die vor der Mengistu-Administration fl\u00fcchtete:<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">\u201eWir waren zu viert: meine beiden Kinder im Alter von zwei und vier Jahren, unser F\u00fchrer und ich selbst. Ich war im f\u00fcnften Monat schwanger. Auf dem Weg hielten uns zwei M\u00e4nner an, die wissen wollten, wohin wir reisen. Wir erkl\u00e4rten es ihnen, woraufhin mich einer der beiden beiseite nahm und sagte: \u2018Ohne Sex keine freie Durchreise!\u2019Er zwang mich auf die Knie, versetzte mir Tritte in die Magengegend und vergewaltigte mich vor den Augen meiner Kinder. Er wu\u00dfte, da\u00df ich schwanger war, aber es scherte ihn in keiner Weise.\u201c<\/span><\/i><\/p>\n<h1>Deutschland bietet keinen Schutz<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Trotz der frauenspezifischen Verfolgung, werden in den meisten L\u00e4nder, auch in Deutschland, frauenspezifische Fluchtgr\u00fcnde nicht anerkannt. Selbst die Genfer F\u00fcchtlingskonvention benennt den Verfolgungsgrund \u2018Geschlecht\u2019 nicht explizit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Frauen, die Menschenrechtsverletzung in Form von sexueller Gewalt erlitten haben, sto\u00dfen bei der Beantragung von Asyl in Deutschland auf vielerlei Schwierigkeiten. Den meisten Frauen f\u00e4llt es sehr schwer im Asylverfahren \u00fcber das Erlebte zu berichten. Zum einen aus Angst, von Angeh\u00f6rigen versto\u00dfen zu werden, weil die \u2018Familienehre\u2019 verletzt wurde, zum anderen weil \u00fcberwiegend M\u00e4nner das gesamte Asylverfahren durchf\u00fchren. Auch wenn die M\u00f6glichkeit besteht, eine Befragerin oder Dolmetscherin zu beantragen, wird dies in der Praxis nur selten umgesetzt.<\/span><\/p>\n<h1>Die Asyl-(rechtssprechung?) und ihre Folgen<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die \u00c4nderung des Asylverfahrensgesetzes im Jahr 1993 hat nicht zur Ber\u00fccksichtigung frauenspezifischer Fluchtgr\u00fcnde gef\u00fchrt und die seitdem eingef\u00fchrte Beschleunigung des Verfahrens setzt Frauen noch mehr unter Druck:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Berichtet eine Frau in der Erstanh\u00f6rung nicht \u00fcber ihren Verfolgungsgrund, wird es ihr nicht gestattet zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt Angaben zu ihrer Flucht zu machen. Wenn sie sich dennoch nachtr\u00e4glich zu den Gr\u00fcnden ihrer Flucht \u00e4u\u00dfert, wird dies meist als \u201egesteigertes Vorbringen\u201c bewertet, als \u201eunglaubw\u00fcrdig\u201c eingestuft und f\u00fchrt zur Ablehnung ihres Asylantrages. Ein Asylantrag wird oftmals schon deshalb als offensichtlich unbegr\u00fcndet abgelehnt, wenn eine Frau aus einem sogenannten \u201esicheren Herkunftsland\u201c gefl\u00fcchtet oder \u00fcber ein \u201esicheres Drittland\u201c eingereist ist. Unvollst\u00e4ndige Angaben bei der Erstanh\u00f6rung oder die Vorlage falscher Papiere f\u00fchren ohne R\u00fccksicht auf die eigentlichen Umst\u00e4nde der Verfolgung und die Gr\u00fcnde der unvollst\u00e4ndigen Angaben zur Ablehnung des Asylantrages.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung geworden sind, werden in der deutschen Asyl- (rechtssprechung?) nicht anerkannt, weil davon ausgegangen wird, da\u00df die Verfolgung nicht direkt oder indirekt von dem Staat des Heimatlandes ausgegangen ist und somit nicht asylrelevant ist.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">So wurde 1992 der Asylantrag moslemischer Frauen aus Bosnien-Herzegowina, die angaben, von serbischen Soldaten vergewaltigt worden zu sein, vom Bundesamt f\u00fcr die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Fl\u00fcchtlinge, abgelehnt. Begr\u00fcndet wurde dies damit, da\u00df asylrelevante Merkmale wie politische \u00dcberzeugung, Religionszugeh\u00f6rigkeit, Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Volksgruppe oder zu einer bestimmten sozialen Gruppe, mit den Vergewaltigungen nicht in Verbindung st\u00fcnden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Entscheidung bundesweit ein Abschiebungsstopp f\u00fcr Bosnien bestand, sollten diese Frauen abgeschoben werden. Der \u00f6ffentliche Protest gegen diese Bescheide verhinderte dies zun\u00e4chst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Am Beispiel der deutschen Asylgesetzgebung wird deutlich, da\u00df Frauen nicht nur in ihren Heimatl\u00e4ndern, sondern auch in L\u00e4ndern, in denen sie Schutz suchen, der Unterdr\u00fcckung und Verachtung ausgesetzt sind. Die fehlende Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgr\u00fcnde ist in Deutschland nicht nur sexistisch sondern auch rassistisch motiviert. Nicht die Gefahr wird thematisiert, denen die Frauen bei Abschiebung in ihre Herkunftsl\u00e4nder ausgeliefert sind, sondern die Frauen selbst werden als Gefahr, als gef\u00e4hrlicher Fl\u00fcchtlingsstrom betrachtet, dem Einhalt geboten werden mu\u00df. Zu wenig wird auf diesen Zustand hingewiesen.<\/span><\/p>\n<p><strong>Am 8. M\u00e4rz ist Internationaler Frauentag! Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn an diesem Tag auch an die verfolgten, verst\u00fcmmelten und gefolterten Frauen und M\u00e4dchen weltweit gedacht w\u00fcrde.<\/strong><b><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">R\u00fcbe<\/span><br \/>\n<i><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Literatur: amnesty international: Frauen in Aktion &#8211; Frauen in Gefahr, Bonn 1995<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltweit sind mehr als 80% aller Fl\u00fcchtlinge Frauen und Kinder. 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