{"id":472,"date":"2016-06-22T10:03:55","date_gmt":"2016-06-22T10:03:55","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=472"},"modified":"2016-06-22T10:05:41","modified_gmt":"2016-06-22T10:05:41","slug":"verkauft-die-stadt-ein-mahnmal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=472","title":{"rendered":"Verkauft die Stadt ein Mahnmal?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Nach dem Krieg hatte die VVN vorgeschlagen, ein Mahnmal gegen den Naziterror in Solingen zu errichten. <\/span><!--more--><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Auf Vorschlag des damaligen Oberb\u00fcrgermeisters Maurer wurde statt dessen ein Mahnmalhaus f\u00fcr die Opfer des NS-Regimes und ihre Angeh\u00f6rigen erbaut. Das Land gab erhebliche Finanzmittel dazu. Heute will die Stadtverwaltung es ebenso wie die anderen st\u00e4dtischen H\u00e4user den derzeitigen Mietern verkaufen. Der folgende B\u00fcrgerantrag wendet sich gegen die Privatisierung des Mahnmalhauses an der Kamper Stra\u00dfe\/Ecke Sauerbreystra\u00dfe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Am 30.1.1997 fand eine Ausschu\u00dfsitzung zu diesem Thema statt. Dabei blieb die Verwaltung bei ihrer Verkaufsabsicht. SPD, CDU und FDP sprachen sich eher gegen den Antrag aus, einzig die Gr\u00fcnen bestanden auf der prinzipiellen Unm\u00f6glichkeit, ein solches Mahnmal zu verkaufen. Der Alternativvorschlag von Karl Bennert, dann wenigstens mit den Verkaufserl\u00f6sen ein Mahnmal gegen Rassismus und Faschismus zu errichten, fand ebenfalls keine Zustimmung (das wundert niemand, der die Herumeierei der PolitikerInnen in der Frage der Errichtung eines st\u00e4dtischen Mahnmals zum Brandanschlag verfolgt hat). Die engagierte Diskussion der UnterzeichnerInnen im Ausschu\u00df hatte zumindest zur Folge, da\u00df die Frage der Privatisierung und die Forderung nach einer Dokumentationsst\u00e4tte bei einem &#8222;runden Tisch&#8220; nochmals besprochen wird. Ob es was hilft? Angesichts des Fehlens von angemessenen Erinnerungsorten f\u00fcr die Opfer des Naziterrors gerade in Solingen bleibt nur das Prinzip Hoffnung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Krabat<\/span><\/p>\n<table style=\"height: 1678px;\" border=\"\" width=\"631\" cellspacing=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<h1>Dokumentation<\/h1>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">An die Unterkommission zur Vorberatung von Anregungen und Beschwerden<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">z. Hd. Herrn Oberb\u00fcrgermeister Gerd Kaimer<\/span><\/i><br \/>\n<i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Rathaus Cronenberger Stra\u00dfe<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">42651Solingen<\/span><\/i><\/p>\n<div align=\"right\"><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Solingen, den 16.12.1996<\/span><\/i><\/div>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Anregungen und Beschwerden gem\u00e4\u00df \u00a724 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Die Unterzeichnenden empfehlen dem Rat und der Verwaltung der Stadt Solingen:<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Das Mahnmalhaus Kamper Stra\u00dfe\/Ecke Sauerbreystra\u00dfe soll weder in Teilen noch in G\u00e4nze verkauft werden. Es soll dauerhaft im Besitz der Stadt bleiben.<\/span><\/i><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Das Haus soll weiterhin als Mahnmalhaus dienen. Beim Freiwerden von Wohnungen sollen diese vorrangig Angeh\u00f6rigen der Opfer des Nationalsozialismus und Fl\u00fcchtlingen, die wegen ihres Geschlechtes, ihrer Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft hres Glaubens oder ihrer religi\u00f6sen oder politischen Anschauungen verfolgt werden oder wurden, vermietet werden.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Sobald eine Wohnung im Mahnmalhaus durch Umzug von Mietern frei wird, soll diese als Dokumentationsst\u00e4tte der Verfolgungen im Nationalsozialismus und des Widerstands gegen ihn dienen. Gleichzeitig soll diese Wohnung als G\u00e4stewohnung f\u00fcr Besucherinnen und Besucher aus den Partner- und Patenst\u00e4dten Solingens sowie f\u00fcr Angeh\u00f6rige von im Nationalsozialismus Verfolgten hergerichtet werden.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Begr\u00fcndung:<\/span><\/i><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">So wie jedes Mahnmal, so hat auch dieses Mahnmalhaus so etwas wie eine innere Seele, und die hat es nicht nur auf Zeit. Dieses Haus verk\u00f6rpert einen Teil des kollektiven Gewissens unserer Stadt, es h\u00e4lt die Erinnerung an ein dunkles Kapitel unserer Geschichte wach und lebendig. Eine Erinnerung, die nicht verloren gehen darf, weil aus ihr die Kr\u00e4fte f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdigere Zukunft erwachsen. Es ist ein Mahnmal gegen das Vergessen, Verharmlosen und Verdr\u00e4ngen.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ein Mahnmal verkauft man nicht zur beliebigen Nutzung durch Privatinteressen, so wie auch ein Mensch seine Vergangenheit, seine Geschichte nicht zu Markte tragen kann, weil sie ihm l\u00e4stig zu werden droht oder er sie eintauschen will gegen Geld. Auch ein Gemeinwesen wie die Stadt Solingen braucht Zeugnisse seiner Geschichte, braucht das Gedenken an seine Vergangenheit, an die menschlichen Trag\u00f6dien, die nicht in Vergessenheit geraten d\u00fcrfen, damit dem Ungeist keine neuen Stimmen zuwachsen, sondern Hoffnung und Kraft gedeihen k\u00f6nnen f\u00fcr ein lebenswertes Morgen. Nur ein Leben, das seine Erinnerungen ertr\u00e4gt, ist ein bewu\u00dftes Leben.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Mit der beabsichtigten Privatisierung l\u00e4uft die Kommune Gefahr, ein wichtiges Zeugnis gegen den Nationalsozialismus preiszugeben, eine mahnende Stimme verstummen zu lassen.<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Karl Bennert, Willi Gottfried, Armin Alfermann, G\u00fcnter Wi\u00dfmann, Dr. Horst Sassin, Werner B\u00f6wing<\/span><\/i><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Krieg hatte die VVN vorgeschlagen, ein Mahnmal gegen den Naziterror in Solingen zu errichten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[65],"tags":[26,31,5,76],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=472"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":474,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472\/revisions\/474"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}