{"id":410,"date":"2016-06-22T06:19:52","date_gmt":"2016-06-22T06:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=410"},"modified":"2016-06-22T06:21:16","modified_gmt":"2016-06-22T06:21:16","slug":"steine-aus-dem-glashaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=410","title":{"rendered":"Steine aus dem Glashaus &#8230;"},"content":{"rendered":"<h1>Meinungsfreiheit, rechts gestrickt<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Egal, ob\u2019s hilft oder nicht: \u00dcberall auf der Welt verschreiben die Politiker ihren V\u00f6lkern das gleiche Rezept: Geld, Kapital, das blinde Interesse der Bessergestellten, sich zu bereichern, und die geballte Macht des Staates soll alle Wunden heilen &#8211; alle anderen sollen mitjubeln. <\/span><!--more--><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Das soll dann die \u201cNation\u201d sein. Medizin, die krank macht? Und die auch noch pur? Normal! Wer das nicht normal findet, gilt, wenn er Gl\u00fcck hat, als Spinner. Am besten funktioniert die ganze Kiste, wenn man ihr\/ihm das Wort verbietet &#8211; schau her, hier ist das Strafgesetzbuch, kapiert? Sag das noch mal, dann freut sich der Staatsanwalt!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Dennoch weist man hierzulande weit von sich, \u201cunsere\u201d Bundesrepublik, angeblich doch eine Festung der \u201cDemokratie\u201d, mit Staaten, in denen jeder den Mund zu halten hat, in Beziehung zu setzen. Ganz besonders viel bildet man sich darauf ein, da\u00df Meinungsfreiheit herrsche. Doch die heilige Kuh ist &#8211; infolge gehorsamsbildender Umz\u00fcchtung &#8211; l\u00e4ngst zur lahmen Ente geworden. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit? Ob sie nun tats\u00e4chlich herrscht oder nicht, scheint den meisten piep-egal. Hauptsache, man bringt nicht jeden gleich um wegen seiner Meinung. Und die Zeiten, in denen ein \u201cfalsches\u201d Wort in Deutschland \u201cSelbstmord\u201d bedeuten konnte, sind ja l\u00e4ngst vorbei &#8230; Elegant \u00fcbersieht man dabei, da\u00df heute bereits l\u00e4ngst wieder ein Zustand erreicht ist, wo rechte Schl\u00e4gerbanden auch wegen \u201cfalscher\u201d Meinungs\u00e4u\u00dferungen morden. Und erwischt man den ein oder anderen M\u00f6rder, setzt sich gleich die Verharmlosungsmaschinerie der Medien in Gang &#8211; und arbeitet wie ein Uhrwerk: Die Jungs waren eben stinkeblau, und \u201cein Wort ergab das andere\u201d &#8230; wie es halt so ist, wenn Jugendliche einen \u201c\u00fcber den Durst trinken\u201d. Beachten soll man auch noch den \u201csozialen Brennpunkt\u201d. Soso.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ansonsten Schwamm dr\u00fcber. Sind eh alles Einzelf\u00e4lle. Hinterm\u00e4nner, Anstifter? L\u00e4cherlich, danach zu fragen &#8211; alle Spuren sind verwischt. Vollzugsmeldung: Alles klar! Die Krone der Meinungsfreiheit scheint dann erreicht, wenn die modernen Kolosse von Medienkonzernen (Springer, Kirch, Berlusconi) die Meinung der Leute so produzieren, wie sie gerade gebraucht wird.<\/span><\/p>\n<h1>Rechtspropaganda \u00e0 la Kissel &#8211; ein Fa\u00df mit Sauce<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Ganz bestimmt nicht gebraucht wird die Meinung des Solinger Bauunternehmers G\u00fcnther Kissel. Sie ist so rechts, da\u00df sich Kissel selbst damit br\u00fcstet, ein Strafverfahren angeh\u00e4ngt zu bekommen, wenn er sie kundtun w\u00fcrde. Aber wer wie Kissel sein angebliches Schweigen schon so lauthals in die Welt hineinruft,der redet meist wie ein Buch &#8230; hartn\u00e4ckig und penetrant. Aber haben deshalb die Leute in Solingen oder sonstwo etwa Bedarf an einschl\u00e4gigen Meinungs\u00e4u\u00dferungen des G\u00fcnther Kissel? Wenn der schon immer damit anf\u00e4ngt, welch furchtbares Unrecht Deutschland heute durch angebliche L\u00fcgen \u00fcber die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg zugef\u00fcgt werde, halten wir doch einmal fest:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Auf Nazi-Befehl wurde \u201cfanatisch\u201d und \u201cr\u00fccksichtslos\u201d die Unterjochung aller \u201cOst-V\u00f6lker\u201d betrieben, politische Gegner, ZwangsarbeiterInnen, die \u201cJuden in Europa\u201d (Hitler-Rede 1938) und andere angebliche \u201cRassen\u201d mit der Wucht deutscher Technologie bis auf \u00dcberbleibsel \u201causgerottet\u201d. Das waren im Namen Deutschlands begangene Verbrechen, so unbeschreiblich und unvorstellbar, da\u00df jeder, der das noch immer nicht mitgekriegt hat, wenigstens den Mund halten sollte &#8211; insbesondere auch Herr Kissel; denn<\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">ist es penetrant, wenn er &#8211; auch angesichts von ungeheuerlichstem V\u00f6lkermord und Nazi-Barbarei &#8211; immer wieder mit seinen M\u00e4rchen von der wei\u00dfen Weste der deutschen Wehrmachtsangeh\u00f6rigen anf\u00e4ngt und<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">wie ein mieser Clown auch noch st\u00e4ndig seinen Zeigefinger hebt, da\u00df sich ja keiner etwas Unr\u00fchmliches \u00fcber die Nazizeit erz\u00e4hlen lassen solle;<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">mu\u00df man sich das nicht fortw\u00e4hrend bieten lassen;<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">spornt Kissels unqualifiziertes Gequatsche, in Verbindung mit Geldern, die er, der Multimillion\u00e4r, locker macht, Rechtsradikale zu organisierter Propaganda und vernetztem Bandenwesen an;<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">sind, so dumm seine Spr\u00fcche auch sein m\u00f6gen, Kissels kriegsverherrlichende \u00f6ffentliche Tiraden, die die Opfer des Holocaust beleidigen, in Tateinheit mit rechtsradikalismusf\u00f6rderndem Sponsorentum, eindeutig demokratie- und menschenrechtsfeindlich.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Da\u00df an seiner Spendent\u00e4tigkeit f\u00fcr die NPD Ansto\u00df genommen wurde, fand Kissel v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig.<\/span><\/p>\n<h1>Der nostalgische Reiz des V\u00f6lkermordens<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Wie finden wir\u2019s? Kissel selbst zeigte durch die Jahre mit salbungsvollen, sehr engagierten Solidarit\u00e4tsaktionen, wof\u00fcr sein Herz schl\u00e4gt.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Als ihm durch die nationale Jung-Neonazi-Szene ein medientr\u00e4chtiges Kampfziel vorgegeben wurde, lie\u00df der Altveteran seinen gesamten Fuhrpark Flagge zeigen &#8211; Kissel-Rapid-Lkw trugen die \u201cFreiheit f\u00fcr Rudolf He\u00df\u201d-Aufkleber von Baustelle zu Baustelle.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Als der rechtsradikale Drahtzieher Thies Chistophersen eine (auch noch milde) Gef\u00e4ngnisstrafe absa\u00df, da jammerte Kissel in fortgesetzten Bittbriefen an die zust\u00e4ndige Justiz, welch gro\u00dfes Unrecht dieser ach so wunderbaren Person angetan werde &#8211; Kissel zog alle Register, um diesen besonders frechen Naziideologen rauszupauken.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Als \u201cWilhelm Tell von Auschwitz\u201d wurde sein Solinger Kamerad Weise, der in Auschwitz ge\u00fcbt hatte, Kindern \u00c4pfel vom Kopf zu schie\u00dfen, bevor er die Kinder erscho\u00df, vor Gericht von \u00fcberlebenden Zeugen wiedererkannt. Urteil: Lebensl\u00e4nglich f\u00fcr Weise. D a s \u2013 nicht etwa das Leid der Kinder, sondern das des mordenden Kameraden &#8211; hat G\u00fcnther Kissel herzzerrei\u00dfend geschmerzt, wie er gegen\u00fcber dem Bundesgerichtshof bekundete &#8211; in leidenschaftlichem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Freilassung dieses ach so tugendhaften Menschen. (DM 100.000 bot Kissel als B\u00fcrgschaft an daf\u00fcr, da\u00df Weise ganz bestimmt nicht fliehen w\u00fcrde. Kaum zu glauben &#8211; der erste, der den Haftbefahl des BGH in H\u00e4nden hielt, war Weise. Und Good-Bye. Die Polizei kam drei Stunden sp\u00e4ter. Monate sp\u00e4ter hat man ihn doch gekriegt, in der Schweiz.)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Daran, da\u00df sich Kissel offenbar um die F\u00e4higkeit gebracht hat, Menschen von Unmenschen zu unterscheiden, liegt wohl, da\u00df ihm Nazikriegsverbrecher besonders am Herzen liegen, wenn sie verurteilt worden sind. Eigentlich verwunderlich, da\u00df der schwerreiche Solinger Hobbyjurist seinerzeit dem Gerichtshof in Tel-Aviv nicht vorgejammert hat, was f\u00fcr ein edler Mensch der Kamerad Eichmann sei, und man solle da ja keinen Fehler machen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Es w\u00e4re aber auch zuviel verlangt von Kissel, da\u00df er mit jedem so gut Freund sein m\u00fc\u00dfte wie mit dem mehrfach einschl\u00e4gig verurteilten Ex-General Otto Remer, supermilitanter Obernazi und Leibw\u00e4chter Hitlers in den Tagen des \u201cEndsiegs\u201d. Auch einer dieser gro\u00dfartigen Menschen, f\u00fcr die Duzfreund G\u00fcnther die Hand ins Feuer legen w\u00fcrde &#8211; und einen Humor hat der edle Otto: \u201cDer Angeklagte Otto Ernst Remer stand nunmehr am Tisch auf, zog sein Feuerzeug heraus, lie\u00df das Gas ausstr\u00f6men und schn\u00fcffelte an diesem Gas. Dabei fragte er: \u2018Was ist das?\u2019 Nach einer kurzen Kunstpause bemerkte er: \u2018Das ist ein Jude, der sich nach Auschwitz sehnt\u2019\u201d (aus einem Urteil des Amtsgerichts Kaufbeuren). W\u00e4hrend der ekelhafte Scherzbold nach Spanien entflohen war, bestand regelm\u00e4\u00dfiger Telefonkontakt zur Heimatfront mit dem kaum weniger humorigen G\u00fcnther.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Der empfahl derweilen forsch, sich bei den ber\u00fcchtigtsten Holocaust-Leugnern der Welt \u00fcber die historische Wahrheit zu informieren, die heutzutage leider so grausam unterdr\u00fcckt werde. Die beste Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr jeden Deutschen mit Ehre im Leib hat er immer wieder in Hitlers Kriegen und V\u00f6lkermorden gesehen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Kissels Spezialit\u00e4t, die er von seinem hochgesch\u00e4tzten Idol Irving, dem Weltmeister der Auschwitzl\u00fcge, gelernt hat: Das Unrecht, das den Offizieren der deutschen Wehrmacht durch angebliche \u00fcble Nachrede zugef\u00fcgt worden ist, gegen die Toten der Vernichtungslager aufzurechnen. Warum man die Opfer immer nur bei den anderen suche? Das Allerallertraurigste\u00a0 sei: \u201cDie Waffen-SS\u201d habe den \u201ch\u00f6chsten Blutzoll\u201d bezahlt (und das habe ihr niemand gedankt)!<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h1>Brauner Fleck auf wei\u00dfen Westen &#8211; unsichtbar?<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">In der Nostalgie vergangener Blutb\u00e4der verschwimmt nicht die Ruchlosigkeit dieses erlogenen Zahlenspiels. Dies sei Herrn Kissel hiermit ins Stammbuch geschrieben und auch allen Zeitgenossen, Zeitungen, Gerichten, die Kissel Flankenschutz geben wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Nur vor dem Ideal \u00e4u\u00dferster Verherrlichung des deutschen Eroberungskriegs, den der Bauunternehmer als Offizier mitgef\u00fchrt hat, schrumpft das Leid der Opfer von V\u00f6lkermord und Ausrottungsterror auf das Kisselsche Ma\u00df ganz kleiner M\u00fcnze. Halten wir weiter fest, da\u00df das durch die \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen zu Tage getretene Denken G\u00fcnther Kissels zu dem Miesesten, D\u00fcmmsten und \u00c4chtungsw\u00fcrdigsten z\u00e4hlt, das in den Hirnen von menschenverachtenden sogenannten \u201cEhrenm\u00e4nnern\u201d herumkaspern kann. Herrgottnochmal, warum wird er dann nicht ge\u00e4chtet? Verkehrte Welt: Bei allen m\u00f6glichen Feierstunden verschenkt Kissel Schriftgut, das ausgerechnet jenes beim Nationalsozialismus entlehnte dummdreiste Weltbild enth\u00e4lt und &#8230; \u201cmeinen Mitarbeitern der Firma Kissel-Rapid, meinen Freunden und Gesch\u00e4ftsfreunden und vor allen Dingen der Jugend\u201d(!) ganz besonders anzuempfehlen sei. Hier eine Leseprobe: \u201cAllein die Juden verstehen es, ihre Leiden als die \u00e4rgsten darzustellen. Die Tatsache, da\u00df die Judenverfolgung nicht erst in der NS-Zeit begann, sondern schon seit Jahrhunderten in den verschiedensten L\u00e4ndern der Welt erfolgte, mag nicht allein an den Verfolgern gelegen haben\u201d (aus einem Buch des neonazistischen Autors Woche, das Kissel mit besten Empfehlungen an seine Arbeiter und Angestellten weiterreichte).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Als einige Solinger Vereinigungen (Antifa, Frauengruppe Courage, Solinger Appell, SOS Rassismus, \u00d6ffentlichkeit gegen Gewalt u.a.) sich das Treiben des rechten Bauimperators nicht mehr schweigend mitansehen wollten und endlich f\u00fcr eine \u00f6ffentliche \u00c4chtung Kissels eintraten, hagelte es Leserbriefe im Solinger Tageblatt. Die meisten der abgedruckten Stimmen (unter ihnen auch immer die gleichen rechten Leserbrief-Gewohnheitsschreiber) begl\u00fcckten den ST-Leser mit engagierter Ehrenrettung f\u00fcr den armen Kissel: Er lasse doch so viele wertvolle Geb\u00e4ude bauen, schaffe Arbeitspl\u00e4tze und sei \u00fcberhaupt einer der Sympathischsten unter uns.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Interessant auch, da\u00df das v\u00f6lkermordsverniedlichende Reden und Handeln eines Unternehmers nicht von der vielgepriesenen \u201cWirtschaft\u201d selbst geahndet wird. Da\u00df dieser Mann zum Obermeister der Innung gew\u00e4hlt worden ist, mu\u00df auch auf die Tolerierung der dargelegten Gesinnung in der Innung zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. \u00dcberhaupt: Keiner der vielen \u201cGesch\u00e4ftsfreunde\u201d, aber auch nicht die Oberen der Stadt, scheinen irgendwelche Sorgen zu haben, da\u00df unser sch\u00f6nes \u201cMade in Solingen\u201d, angereichert mit braunen Roststellen, drei Jahre nach dem in aller Welt bekannten Brandanschlag noch irgendeinen Imageverlust erleiden k\u00f6nnte. Bei allem Abscheu gegen\u00fcber solch gef\u00fchllosem Schl\u00e4fchen bei denen, die f\u00fcr das Minus in Solingens Kassen b\u00fcrgen, bleibt Verwunderung: Ist die \u00f6rtliche Politik nun von allen guten Geistern verlassen?<\/span><\/p>\n<h1>Narrenfreiheit f\u00fcr Kissel? &#8211; Keine Chance!<\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Doch dieselbe Politik &#8211; mit deren Bauauftr\u00e4gen Kissel zum Multimillion\u00e4r geworden ist &#8211; gibt sich erhaben. Rechtfertigungen f\u00fcr ihr Handeln oder Unterlassen hat sie scheinbar nicht n\u00f6tig. Es gibt doch die Strafjustiz, die l\u00e4stige Kritiker zum Schweigen bringt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Da kam ein Artikelschreiber in der tacheles-Ausgabe von November 1995 zu der Auffassung, Kissel sei ein rechter \u201cDrahtzieher\u201d. Trifft dies nicht zu? Kissels ganz pers\u00f6nliches, jahrzehntelanges Engagement zur Verbreitung rechtsextremen Schrifttums und Gedankenguts &#8211; insbesondere von ganz einschl\u00e4gigen, gerichtskundig gewordenen Auschwitzl\u00fcgnern -, f\u00fcr das dem Baumillion\u00e4r keine Mark zu schade ist, stand und steht zur Debatte. Darf Kissels Einsatz f\u00fcr die Verherrlichung des nationalsozialistischen Eroberungskriegs, gepaart mit eigenst\u00e4ndigen Hilfestellungen zur propagandistischen Verbreitung der Auschwitzl\u00fcge, etwa nicht als Beitrag zur &#8222;Volxverhetzung&#8220; gewertet werden? Und ist Kissels \u00f6ffentliche \u00c4u\u00dferung, es sei l\u00e4ngst erwiesen, da\u00df in Auschwitz 2,9 Millionen Menschen weniger umgebracht worden seien, als die amtlichen Statistiken glauben machen wollten, erg\u00e4nzt um seinen Hinweis, da\u00df weitere \u00f6ffentliche &#8222;Aufkl\u00e4rung&#8220; in dieser Richtung nottue, nicht leicht als integraler Bestandteil der &#8222;Auschwitzl\u00fcge&#8220; wiederzuerkennen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Es soll nicht bestritten werden, da\u00df es wom\u00f6glich auch andere Worte gibt, mit denen das Treiben G\u00fcnther Kissels verst\u00e4ndlich zusammengefa\u00dft werden kann. Das Anziehen von Glac\u00e9-Handschuhen allerdings wollen wir dem bekennenden Sympathisanten der Waffen-SS \u00fcberlassen. Sogar die von ihm vorgeschlagene Sprachregelung, er sei \u201cnationalkonservativ\u201d (Kissel \u00fcber sich selbst), k\u00f6nnen wir gelten lassen: Ganz konservativ feiert er noch heute den Boom nationalen Hochgef\u00fchls in Nazidiktatur und Weltkrieg.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Allerdings sei daran erinnert, da\u00df die Massenmorde, die Kissel heute noch zu Tr\u00e4nen \u00fcber die M\u00f6rder r\u00fchren, jeder Beschreibung spotten. Glac\u00e9-Handschuhe hin, Glac\u00e9-Handschuhe her: Der von Kissel gef\u00fchrte Streit um die falsche Wortwahl ist doch nichts als der Versuch, die Debatte auf einen l\u00e4cherlichen Nebenschauplatz zu verlagern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Da\u00df dieser unw\u00fcrdige Ort ausgerechnet das Amtsgericht Solingen sein soll, hat nicht nur Kissel zu verantworten, der eh keine Rolle lieber spielt als die der beleidigten Leberwurst. Seine Anzeige gegen tacheles verarbeitete die Staatsanwaltschaft Wuppertal zu ihrer schriftlichen Anklage. Diese nahm das Amtsgericht Solingen zum Anla\u00df, das Hauptverfahren gegen J\u00fcrgen M\u00fcller von tacheles zu er\u00f6ffnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Was am 8. August dabei herauskommen wird, scheint vorgezeichnet. Dem befa\u00dften Gericht trauen wir kaum zu, da\u00df es nach Sachlage entscheiden wird. Wenn alle das M\u00e4ntelchen \u00fcber den Bauf\u00fcrsten decken, warum sollte der Richter aus der Reihe tanzen? Unsere Argumente k\u00f6nnen noch so wahr sein, die Argumente des G\u00fcnther Kissel noch so daneben, mit vereinten Kr\u00e4ften wird man den braunen Zahn ziehen wollen, indem man J\u00fcrgen M\u00fcller einen Maulkorb mit Stempel umh\u00e4ngt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Doch erstens gibt es kein Verfallsdatum weder f\u00fcr V\u00f6lkermord noch f\u00fcr die Zustimmung hierzu. Dieses St\u00fcck Moral hatte sich die internationale Staatengemeinschaft bisher noch erhalten. Und zweitens: Die Freunde von J\u00fcrgen M\u00fcller brauchen sich wenigstens nicht zu sch\u00e4men, im Gegenteil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\">Otto Mann<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meinungsfreiheit, rechts gestrickt Egal, ob\u2019s hilft oder nicht: \u00dcberall auf der Welt verschreiben die Politiker ihren V\u00f6lkern das gleiche Rezept: Geld, Kapital, das blinde Interesse der Bessergestellten, sich zu bereichern, und die geballte Macht des Staates soll alle Wunden heilen &hellip; <a href=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=410\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[61],"tags":[23,56,24,5],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/410"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=410"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":413,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/410\/revisions\/413"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}