{"id":192,"date":"2016-06-18T12:57:12","date_gmt":"2016-06-18T12:57:12","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=192"},"modified":"2016-06-18T14:29:01","modified_gmt":"2016-06-18T14:29:01","slug":"herrschaft-durch-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=192","title":{"rendered":"HERRschaft durch Sprache"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Feministinnen fordern schon seit Jahren die \u00c4nderung diskriminierender Sprachformen und Bezeichnungen, wie z.B. \u201dStudenten\u201d und \u201dKaufmann\u201d, die ein Mitgemeintsein von Frauen suggerieren, diese jedoch faktisch ausschlie\u00dfen. <\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Was sich inzwischen sogar in der Verwaltung durchgesetzt hat, n\u00e4mlich die Nennung beider Geschlechter (\u201eAntragsteller\/in\u201d), scheint einigen sich selbst progressiv sehenden (\u201enat\u00fcrlich bin ich f\u00fcr die Gleichberechtigung\u201d) M\u00e4nnern &#8211; sogar in unserer Redaktion zuviel. Deshalb m\u00f6chte ich noch einmal kurz aufzeigen, worin die Diskriminierungen bestehen und welche \u00c4nderungsm\u00f6glichkeiten es gibt.<\/span><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Frauen werden durch Bezeichnungen wie \u201ddie Studenten\u201d ignoriert und ausgeschlossen, da in diesem Fall der Oberbegriff mit der m\u00e4nnlichen Form \u00fcbereinstimmt und folglich nur m\u00e4nnliche Studenten assoziiert werden. Belegt wird dies durch Tests, die z.B. die Aufforderung enthalten, \u201deinen Studenten zu malen. Wie absurd die Verwendung dieses m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Terminus ist, zeigt sich \u00fcberdeutlich dann, wenn eine Gruppe von 100 Studentinnen durch Hinzukommen eines einzigen (m\u00e4nnl.) Studenten pl\u00f6tzlich als Gruppe von Studenten bezeichnet wird und somit als von M\u00e4nnern dominierte Gruppe assoziiert wird. Eine L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit besteht in der Verwendung eines neutralen Plurals, wie z.B. \u201ddie Studierenden\u201d. Sie ist sinnvoll vor allem dann, wenn es im Singular nur eine Form gibt (\u201dStudierende\u201d), durch Verwendung eines Artikels aber spezifiziert wird (\u201dder Studierende\u201d\/\u201ddie Studierende\u201d). Noch besser &#8211; weil fast immer m\u00f6glich &#8211; ist aber die Verwendung des femininen Plurals, z.B. \u201ddie Arbeiterinnen\u201d, in dem schlie\u00dflich die maskuline Form enthalten ist Dies wird in Hinblick darauf gefordert, da\u00df nach Jahren der Unterdr\u00fcckung, Frauen mehr Geltung verschafft werden soll und M\u00e4nner einmal das \u201dMitgemeintsein\u201d erfahren. Diese Alternative, insbesondere mit \u201d1\u201d (ArbeiterInnen) ist zwar anfangs oft als zu schwerf\u00e4llig kritisiert worden, hat sich aber inzwischen einigerma\u00dfen etabliert. Frauen werden au\u00dferdem durch die Verwendung von Pronomen, wie \u201dman\u201d, \u201djemand\u201d oder \u201djeder\u201d ignoriert, was vor allem dann auff\u00e4llt, wenn ausschlie\u00dflich Frauen gemeint sind: \u201dDie Menstruation ist bei jedem ein bi\u00dfchen anders\u201d. Abhilfe schafft hier die Verwendung von \u201dmensch\u201d, \u201djede\u201d und \u201deine\u201d bzw. \u201djede Frau\u201d.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Frauen werden dadurch diskriminiert, da\u00df weibliche Bezeichnungen von m\u00e4nnlichen abgeleitet werden und mit der Endung \u201din\u201d versehen werden, z.B. Bauherrin. Bezeichnend ist, da\u00df umgekehrt aus der Kinderg\u00e4rtnerin nicht der Kinderg\u00e4rtner sondern der Erzieher wurde, woraus schlie\u00dflich die Erzieherin folgte, siehe auch \u201dGeburtshelfer\u201d, \u201dKrankenpfleger\u201d und \u201dRaumpfleger\u201d. Interpretiert werden k\u00f6nnte dies so, da\u00df \u201dweibliche\u201d Berufe durch eigens entwickelte m\u00e4nnliche Berufsbezeichnungen aufgewertet werden m\u00fcssen, um f\u00fcr M\u00e4nner akzeptabel zu werden.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Frauen werden degradiert durch die Anrede \u201dFr\u00e4ulein\u201d, f\u00fcr die es logischerweise keine m\u00e4nnliche Entsprechung gibt, da es ja eines Mannes bedarf, um aus dem Fr\u00e4ulein eine Frau zu machen, sei es durch Heirat und\/oder Entjungferung. Sie werden degradiert durch ihre Darstellung in traditionellen Rollen in M\u00e4rchen, Bilder- und Schulb\u00fcchern, aber auch im Duden, wie Pusch anhand der Auswertung des Kapitels \u201dA\u201d aufzeigt. Frauen wurden zum einen viel seltener erw\u00e4hnt (180 im Vergleich zu 920 Nennungen von M\u00e4nnern), zum anderen auch haupts\u00e4chlich in typischen Rollen (\u201dsie gibt sich viel mit Kindern ab\u201d), als schw\u00e4chlich (\u201ddie Angst pre\u00dfte ihr den Atem ab\u201d) und in bezug auf ihren Mann dargestellt (\u201dsie betet ihn an\u201d), w\u00e4hrend M\u00e4nner den aktiven Part (\u201der b\u00e4umte sich gegen die Ungerechtigkeit auf<\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201d<\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">) \u00fcbernahmen.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Diese Diskriminierungen werden von M\u00e4nnern oft als l\u00e4cherlich und unbedeutend abgetan, insbesondere dann, wenn sie aufgefordert werden, ihren eingefahrenen Sprachstil zu \u00e4ndern. Zwischen Sprache und Bewu\u00dftsein besteht jedoch eine Wechselwirkung; einerseits spiegeln sich in der Sprache die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse wider, andererseits kanalisiert die Sprache das Denken und pr\u00e4gt so die Wahrnehmung und Realit\u00e4t. Wenn also immer nur von <\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">\u201e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Professoren\u201d die Rede ist, wird damit suggeriert, es gebe gar keine Professorinnen, was auch zur Folge hat, da\u00df Frauen gar nicht auf die Idee kommen, sie k\u00f6nnten eine werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Diskriminierung von Frauen in und durch Sprache ist somit kein Zufall, sondern Ausdruck des HERRschenden Patriarchats.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Gundel Gaukeley<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Lesetips: Luise F. Pusch. Das Deutsche als M\u00e4nnersprache.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Senta Tr\u00f6mel-Pl\u00f6tz. Frauensprache &#8211; M\u00e4nnersprache<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feministinnen fordern schon seit Jahren die \u00c4nderung diskriminierender Sprachformen und Bezeichnungen, wie z.B. \u201dStudenten\u201d und \u201dKaufmann\u201d, die ein Mitgemeintsein von Frauen suggerieren, diese jedoch faktisch ausschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[19,18,21,20],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=192"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":224,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions\/224"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}