{"id":186,"date":"2016-06-18T12:38:17","date_gmt":"2016-06-18T12:38:17","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=186"},"modified":"2016-06-18T14:28:28","modified_gmt":"2016-06-18T14:28:28","slug":"staatliche-drogenpolitik-und-freie-drogenhilfe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=186","title":{"rendered":"Staatliche Drogenpolitik und freie Drogenhilfe"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"western\"><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><b>Eine Bilanz nach 20 Jahren<\/b><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>von Floyd Schlemil<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<h6>Die erste \u201eDrogenwelle\u201d<\/h6>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Mit 60.000 bezifferte NRWs Kultusminister Girgensohn die sog. Hasch-Invaliden in der BRD: Jugendliche zumeist, die vor 2 oder 3 Jahren ihren ersten Joint drehten, und die mittlerweile in einem hohen Ma\u00dfe drogenabh\u00e4ngig wurden, so da\u00df es bei ihnen zu keiner abgeschlossenen Schul- und Berufsausbildung mehr kommt.\u201d<\/span><\/span><!--more--><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Ein Zitat aus einer Tageszeitung von ,71 , das heute unfreiwillig komisch wirkt. Doch damals reagierte die b\u00fcrgerliche Gesellschaft alarmiert und erschreckt auf eine Jugend, die nicht nur durch Drogen auff\u00e4llig geworden war. Die Studentlnnenbewegung hatte gezeigt, da\u00df die nachwachsende Generation nicht mehr ohne weiteres bereit war, am \u201eWiederaufbau\u201d und am Verdr\u00e4ngungsproze\u00df nach dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. Drogen wurden zu einem Synonym f\u00fcr Leistungsverweigerung, sexuelle Freiz\u00fcgigkeit, Flower Power, Gammlerlnnen und Hippies. Um die Jugend vor den Schattenseiten dieser reizvollen Subkultur zu warnen, wurden die Gefahren insbesondere von Haschisch und Marihuana dramatisch \u00fcbertrieben. Die Chance, mit den Jugendlichen \u00fcber die Drogen zu reden, wurde verpa\u00dft.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Ende ,71 trat ein neues Bet\u00e4ubungsmittelgesetz (BtmG) in Kraft, mit dem die H\u00f6chststrafen von 3 auf 10 Jahre heraufgesetzt, neue Straftatbest\u00e4nde wie Erwerb und Handel eingef\u00fchrt und weitere Substanzen als Bet\u00e4ubungsmittel definiert wurden.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die repressive gesellschaftliche Reaktion auf den Konsum von Haschisch, LSD etc. und das Auseinanderfallen der Protestbewegung in viele Splittergruppen sorgte jetzt f\u00fcr die Abspaltung und Entwicklung einer Drogenszene die sich immer st\u00e4rker von anderen jugendlichen Subkulturen trennte. Hier sammelten sich auch Jugendliche aus unterprivilegierten Verh\u00e4ltnissen (z.B. ehemalige Heimkinder)&#8216; die durch die Protestbewegung zwar angesprochen, aber nicht aufgefangen worden waren. Damit war ein Kundlnnenkreis geschaffen, der ideal vorbereitet war f\u00fcr das 1972 einsetzende Heroingesch\u00e4ft in der Bundesrepublik. Die Dealer konnten kommen.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">In der BRD begann sich die Situation der Drogenkonsumentlnnen zu versch\u00e4rfen. Heroin wurde von Beginn an durch professionell organisierte Kartelle vertrieben, welche die jetzt rasch steigenden Preise diktierten. In der Drogenszene begann der Kampf ums \u00dcberleben. Die Zahl der Drogentoten stieg von 1972 (104) bis 1979 (623) um das Sechsfache. Im selben Zeitraum nahm die Zahl polizeibekannter Konsumentlnnen harter Drogen Jahr f\u00fcr Jahr um etwa 10.000 zu.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Reaktion des Staates war einmal mehr hilflos repressiv. 1982 erfolgte die zweite \u201eReform\u201d des Bet\u00e4ubungsmittelgesetzes: Eine erneute Versch\u00e4rfung mit h\u00f6heren Mindest- und H\u00f6chststrafen und der Einf\u00fchrung weiterer Straftatbest\u00e4nde.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Mit der zweiten Reform des Bet\u00e4ubungsmittelgesetzes wurden auch therapeutische Ma\u00dfnahmen als Strafma\u00dfnahmen mit aufgenommen: \u201eTherapie statt Strafe\u201d, war der Slogan, unter dem die Reform politisch verkauft wurde. Die Drogentherapieeinrichtungen die zuerst als Alternativen zu Psychiatrie und Knast entstanden waren, sollten in den staatlichen Sanktionskatalog mit einbezogen werden.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Vordergr\u00fcndig schien die staatliche Strategie zu greifen. Die offenen Drogenszenen wurden vielerorts zerschlagen, die Konsumentlnnen in die Privatsph\u00e4re abgedr\u00e4ngt. F\u00fcr eine kurze Phase Anfang der achtziger Jahre ging die Zahl erstauff\u00e4lliger Konsumentlnnen und auch der Drogentoten zur\u00fcck. Ganz andere Tendenzen aber waren zum selben Zeitpunkt schon in geheimen Studien der amerikanischen Regierung zu erkennen: Die Drogenkartelle, so wurde dort festgestellt, hatten sich zur wirtschaftlichen Weltmacht entwickelt, die Umsatz und Profitraten st\u00e4ndig steigerten. Allein in diesem Jahrzehnt ist wahrscheinlich ein Kapitalstrom an Narko-Dollars von mehr als 2,5 Billionen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">US-Dollar geflossen; eine Summe, die doppelt so hoch ist wie die heutige Gesamtverschuldung der \u201eDritten Welt\u201d. \u00dcber die Jahre sind in Dutzenden gr\u00f6\u00dfter Geldh\u00e4user weltweit hunderte von Milliarden US-Dollar verwahrt, bewegt und gewaschen worden, in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeflossen und in ungez\u00e4hlte nationale und internationale Gesch\u00e4fte investiert worden. Gewinne die von den Polizeien der Welt nicht mehr ,abgesch\u00f6pft&#8216; werden k\u00f6nnen.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Anders als Alkohol- und Medikamentenkonsum der Bev\u00f6lkerung wurde der Konsum illegaler Drogen in der Bundesrepublik von Anfang an in Verkn\u00fcpfung mit bestimmten Weltanschauungen diskutiert. Die konservativen gesellschaftlichen Kr\u00e4fte hatten mit der Ablehnung der neuen, illegalen Drogen vor allem einer Jugendkultur den Kampf angesagt, die sich der herrschenden Wohlstands- und Leistungsideologie verweigerte.<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<h6>Die gut gemeinte Drogenarbeit<\/h6>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die fr\u00fchen Initiatoren einer nicht staatlichen Drogenarbeit interpretierten den Drogenkonsum im Prinzip ganz \u00e4hnlich Drogensucht wurde als berechtigte Flucht aus unertr\u00e4glichen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen angesehen. Als Therapieziel f\u00fcr Drogenabh\u00e4ngige wurde formuliert, den Kampf gegen die Verh\u00e4ltnisse aufzunehmen. Praktisch alle Therapiekonzepte kamen aus der \u201elinken Ecke\u00a0 bedienten sich z.T. der rigiden p\u00e4dagogisch therapeutischen Ausrichtung sozialistischer Erziehungsprojekte (z.B. Makarenko) und spiegelten in den folgenden Jahren ziemlich genau die Entwicklung bzw. Zersplitterung der StudentInnenbewegung in verschiedene weltanschauliche Gr\u00fcppchen wider. Die Therapieeinrichtungen betonten zwar die Freiwilligkeit ihres Angebotes, doch wurde dabei \u00fcbersehen bzw. verleugnet, da\u00df die Abh\u00e4ngigen oft gar keine andere Chance zum \u00dcberleben hatten, als sich wohl oder \u00fcbel immer wieder auf Langzeittherapien einzulassen. Das Drogenhilfesystem bot zu den zunehmend rigide strukturierten Langzeittherapien keinerlei Alternativen an. Die Drogenberatungsstellen wurden zu Therapie Vermittlungsstellen. Die vorhandenen Therapieangebote wurden zur Legitimation f\u00fcr die permanente Versch\u00e4rfung der Lebensverh\u00e4ltnisse von Junkies: Wer wollte, konnte ja aussteigen, hie\u00df es, und eigentlich m\u00fcsse es Abh\u00e4ngigen auch erst richtig schlechtgehen, damit sie dazu bereit w\u00e4ren. Zwar protestierte ein Teil der Drogenberaterlnnen und Therapeutlnnen massiv dagegen, unter dem Motto \u201eTherapie statt Strafe\u201d zum Vollzugshelfer der Drogen-Staatsanwaltschaften gemacht zu werden. Dies f\u00fchrte vor allem zum Ausschlu\u00df kritischer Einrichtungen aus dem System der Zuweisung von KlientInnen \u00fcber die Justiz. Auch von den links-alternativen Drogenprojekten und -arbeiterlnnen wurde jedoch viel zu selten die Frage aufgeworfen, ob die Gesellschaft nicht grunds\u00e4tzlich anders mit Drogenabh\u00e4ngigen umgehen k\u00f6nnte; ob es richtig war, Ausgrenzung und Verelendung als Voraussetzungen f\u00fcr therapeutische Hilfen zu akzeptieren. Tats\u00e4chlich wurde das Drogenhilfesystem immer st\u00e4rker zum Hilfsangebot ausschlie\u00dflich f\u00fcr Heroinabh\u00e4ngige, die Probleme mit den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden hatten. Das schlo\u00df den Teil der Abh\u00e4ngigen aus, die noch relativ integriert lebten und weiterhin versuchten, den Anforderungen von Beruf, Familie o.\u00e4. gerecht zu werden.<\/span><\/span><\/p>\n<h6>Die zweite Marktoffensive<\/h6>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Zufriedenheit staatlicher Drogenbek\u00e4mpferlnnen um die Mitte der achtziger Jahre sollte nicht lange halten. Ende der achtziger Jahre wurde auch auf der Seite der Konsumentlnnen deutlich, da\u00df der Drogenmarkt in ungeahnter Geschwindigkeit expandierte.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Unter den zunehmenden Drogentoten sind immer mehr der Polizei nicht als Konsumentlnnen bekannte Personen. Der Konsum von Drogen, auch illegalen Drogen, ist inzwischen zu einer Alltagserscheinung von Jugendlichen geworden. Die Kundschaft der Heroinh\u00e4ndlerlnnen findet sich nicht mehr in einer fest umrissenen Gruppe &#8211; der sogenannten Drogenszene &#8211; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">sondern in allen gesellschaftlichen Kreisen. Der Handel und die Anwerbung neuer Kundinnen verbreitet sich vor allem in den Zentren der \u201eneuen Armut\u201d, in Vorstadtsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus, wo Jugendliche ohne<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">gro\u00dfe Zukunftsaussichten leben. Es ist nicht der omin\u00f6se \u201eDealer auf dem Schulhof\u201d, der den Jugendlichen ihre ersten Erfahrungen vermittelt, sondern es sind oft gute Bekannte aus der Nachbarschaft, die bereits ins Heromgesch\u00e4ft eingestiegen sind. Der Handel mit Heroin ist zu einer Verdienstm\u00f6glichkeit geworden, wie sie unterpriviligierten Jugendlichen ansonsten kaum offensteht. Die Droge ist nicht nur reizvoll weil sie verboten ist, sie hat eine zusatzliche Attraktivit\u00e4t als Ware in einem lukrativen Gesch\u00e4ft, in das scheinbar jedeR einsteigen kann.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<h6>Neue Ans\u00e4tze in der Drogenhilfe<\/h6>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">In die Drogenarbeit ist Ende der achtziger Jahre endlich Bewegung gekommen. Drogenberatung und Therapie erreichten zu diesem Zeitpunkt Immer weniger Abh\u00e4ngige; das Gros der Junkies blieb seinem Schicksal selbst \u00fcberlassen. Man begann angesichts der neuen Bedrohung Drogenabh\u00e4ngiger durch AIDS, \u00f6ffentlich \u00fcber neue Formen der Drogenarbeit nachzudenken NiedrigschweIlige Anlaufstellen, Spritzentauschangebote (ein Bericht \u00fcber den Spritzentauschbus in Solingen erscheint in der n\u00e4chsten tacheles) und Methadonprogramme wurden etabliert. Sogar der Hamburger B\u00fcrgermeister Henning Voscherau sprach sich \u00f6ffentlich f\u00fcr eine legalisierte Abgabe von Heroin aus, und der Senat stellte eine dementsprechende Bundesratsinitiative vor.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Noch immer ist Substitution (kontrollierte Abgabe von Polamidon\/Methadon an Abh\u00e4ngige) ein Angebot nur f\u00fcr Einzelne, ein Privileg f\u00fcr diejenigen, die nachweisen k\u00f6nnen, da\u00df sie besonders \u201eschlecht dran sind\u201d (AIDS, Gelbsucht, Schwangerschaft usw.) Dar\u00fcber hinaus wird von ihnen erwartet da\u00df sie eine Motivation zeigen, aus der Drogenszene auszusteigen und sich psychosozial betreuen bzw., kontrollieren zu lassen. Der schlichte Wunsch nicht elendig zugrunde zu gehen, mu\u00df von ihnen zur Therapie- bzw Ausstiegsmotivation \u00fcberh\u00f6ht werden. Dies f\u00fchrt bei vielen substituierten Personen dazu, da\u00df sie heimlich weiter Heroin konsumieren, was f\u00fcr die meisten fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu einem Rausschmi\u00df aus dem Programm f\u00fchrt. Den Junkies w\u00e4re vermutlich eher damit geholfen, wenn in der BRD eine Methadonvergabe praktiziert w\u00fcrde, wie z.B. in den Niederlanden, wo jeder Abh\u00e4ngige die M\u00f6glichkeit hat, ohne jede weitere Vorbedingung seine Grundversorgung mit Methadon bzw. Polamidon zu bekommen. Methadon hat gegen\u00fcber Heroin den Vorteil einer l\u00e4ngeren Halbwertzeit, d.h. es wirkt l\u00e4nger und mu\u00df deshalb nur einmal t\u00e4glich genommen werden, um vor einem Entzug zu sch\u00fctzen. Damit einher geht der Nachteil, da\u00df Methadon-Entz\u00fcge wesentlich langwieriger und unangenehmer verlaufen als eine Herom-Entgiftung.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Dar\u00fcberhinaus sind heute keine Unterschiede der Wirkungsweise und der Sch\u00e4dlichkeit zwischen Heroin und Methadon bekannt, welche die Entscheidung begr\u00fcnden k\u00f6nnten, das eine zu verbieten, das andere an S\u00fcchtige zu verschreiben. Da man aber wei\u00df, da\u00df Heroin auf dem Markt ist und auch wei\u00df, da\u00df nicht alle S\u00fcchtigen bereit sind, auf Methadon \u201eumzusteigen\u201d und da\u00df es daf\u00fcr auch keine medizinische Begr\u00fcndung gibt, ist die Frage, warum man die Heroinkonsumentlnnen weiter dem Schwarzmarkt \u00fcberlassen sollte.<\/span><\/span><\/p>\n<h6>Freigabe von Heroin &#8211; Zwei Modelle<\/h6>\n<p><span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Die legale Vergabe von Heroin ist in verschiedenen Variationen vorstellbar, die im folgenden kurz vorgestellt werden.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">1. Heroin als Medikament<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Drogenabh\u00e4ngige sollen Heroin ausschlie\u00dflich nach \u00e4rztlicher Verschreibung, unter \u00e4rztlicher Kontrolle und auch nur in dazu einzurichtenden staatlichen Drogenambulanzen einnehmen. Der Gebrauch von Heroin als Droge w\u00fcrde mit diesem Modell in \u00e4hnlicher Weise toleriert, wie es heute z.B. mit Psychopharmaka, Schmerzmitteln etc. der Fall ist. Die Produktion von Heroin w\u00fcrde in die H\u00e4nde der Pharmaindustrie gelegt. Der gro\u00dfe Kriminalisierungsdruck w\u00e4re von den Konsumentlnnen genommen.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">F\u00fcr die Drogenkartelle w\u00fcrde es langfristig uninteressant, sich immer mehr Kundinnen und Kunden zu schaffen, weil diese schon nach kurzer Zeit in die staatlichen Vergabestellen \u201eabwandern\u201d w\u00fcrden. Drogenarbeit w\u00fcrde sich darauf konzentrieren, S\u00fcchtige zu unterst\u00fctzen, die ihre Abh\u00e4ngigkeit beenden wollen. Heroin w\u00fcrde behandelt wie alle anderen psychisch wirksamen Substanzen, die bei uns auf Rezept erh\u00e4ltlich sind. Das w\u00e4re auch der Nachteil dieses Modells: Die Tatsache, da\u00df Heroin als Rauschmittel verwendet wird, bliebe tabuisiert.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">2. Heroin als \u201eGenu\u00dfmittel\u201d<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Noch weitergehender als das 1. Modell ist die Vorstellung, Heroin als Rausch- bzw. Genu\u00dfmittel freizugeben. Dies soll nicht bedeuten, da\u00df Heroin wie Tabak oder Alkohol \u00fcberall im Supermarkt zu kaufen w\u00e4re. Vielmehr liegt diesem Modell die Vorstellung zu Grunde, Heroin durch ein staatliches Monopol in daf\u00fcr einzurichtenden Verkaufsstellen, in denen auch Beratung und Informationen f\u00fcr die Konsumentlnnen angeboten wird, abzugeben. Diese Beratungsstellen w\u00e4ren nicht federf\u00fchrend durch \u00c4rztInnen zu besetzen, sondern durch Menschen z. B. ehemalige Junkies, SozialarbeiterInnen, die \u00fcber die Wirkungen und Nebenwirkungen der Droge informieren und Rat und Hilfe bei Suchtproblemen anbieten k\u00f6nnen. M\u00f6glicherweise m\u00fc\u00dften riskante Konsumformen (Spritzen) auch in diesen Anlaufstellen selbst stattfinden. Diese zwei Modelle zur Legalisierung von Heroin werfen viele Fragen und Problemstellungen auf, die aber nur durch eine offene und mutige Diskussion gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Man sollte sich keine Illusionen dar\u00fcber machen, wie lange es noch dauern wird, bis der beginnenden Diskussion \u00fcber eine Legalisierung von Heroin Taten folgen werden. Die Diskussion sollte den Staat und die Gesellschaft keineswegs davon abhalten, das Notwendige und M\u00f6gliche sofort zu tun. Dazu geh\u00f6rt es, Methadon und andere Substitutionsmittel f\u00fcr Heroinabh\u00e4ngigen zug\u00e4nglich zu machen und allen denjenigen, die sie wollen und brauchen weitere soziale und therapeutische Hilfen anzubieten.<\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana,Arial,Helvetica;\"><span style=\"font-size: small;\">Der Artikel bezieht sich gro\u00dften Teils auf eine Brosch\u00fcre der Palette e.V., einer Einrichtung, die seit 1987 mit substituierten Heroinkonsumentlnnen arbeitet! Wer die Brosch\u00fcre m\u00f6chte, kann die Bezugsadresse \u00fcber die tacheles erfragen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Bilanz nach 20 Jahren von Floyd Schlemil Die erste \u201eDrogenwelle\u201d \u201eMit 60.000 bezifferte NRWs Kultusminister Girgensohn die sog. 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