{"id":1307,"date":"2017-06-24T10:56:32","date_gmt":"2017-06-24T10:56:32","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1307"},"modified":"2017-06-24T10:56:32","modified_gmt":"2017-06-24T10:56:32","slug":"diese-melodie-kenne-ich-doch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1307","title":{"rendered":"Diese Melodie kenne ich doch&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Werner B\u00f6wing \u00fcber das B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p>Es ist schon einige Jahre her, da gab es einen zeitweilig sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller. Schiller, Professor Karl Schiller beeindruckte die \u00d6ffentlichkeit durch immer neue Wortsch\u00f6pfungen. Einer dieser neuen Begriffe war die \u201dkonzertierte Aktion\u201d. Diese hatte mit Musik nur insofern etwas zu tun, als sie in Zeiten der Hochkonjunktur, als es noch keine Arbeitslosen gab, den Gewerkschaften die marktwirtschaftlichen Fl\u00f6tent\u00f6ne beibringen sollte. Das geschah, indem Schiller Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften, die damals noch stark waren, an einen Tisch holte. Haupts\u00e4chlich den Gewerkschaften wurde geraten, aus staatsb\u00fcrgerlicher Verantwortung, doch bitte sch\u00f6n keine, wie er es nannte, \u00fcberzogenen Lohn- und Gehaltsforderungen zu stellen.<\/p>\n<p>Nicht immer haben sich die Gewerkschaften von Schiller belabern lassen, und dar\u00fcber war der Professor sehr b\u00f6se. Neben der konzertierten Aktion gab es aber auch noch andere Formen der Einflussnahme auf die Tarifautonomie. So wurden sozialpartnerschaftlich eingestellte Gewerkschaftsobere veranlasst, mit einer moderaten, f\u00fcr die Situation viel zu niedrigen Lohn- und Gehaltsforderung vorzupreschen. Stand diese Forderung erst einmal im Raum, wurde gar ein m\u00e4\u00dfiger Tarifvertrag abgeschlossen, dann war es anderen Gewerkschaften kaum noch m\u00f6glich, \u00fcber die einmal gesetzte Marke zu besseren Lohn- und Gehaltsabschl\u00fcssen zu kommen.<\/p>\n<p>Wenn dann Monate sp\u00e4ter bestimmte Gewerkschaftsvorsitzende den Wirtschaftsprofessor auf Weltreisen begleiten durften, dann soll es Kollegen gegeben haben, die zwischen dem einen und zwischen dem anderen einen gewissen Zusammenhang gesehen haben.<\/p>\n<p>Heute spielt eine andere Musik. B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit nennt sich jener runde Tisch seit einigen Jahren. Das fing ganz harmlos an. Der Vorsitzende der gr\u00f6\u00dften Einzelgewerkschaft, der IG Metall machte den Vorschlag, auf Teile von Einkommenserh\u00f6hungen zu verzichten, wenn daf\u00fcr im Gegenzug die Arbeitgeber Arbeitspl\u00e4tze erhalten und neue Arbeits- und Ausbildungspl\u00e4tze schaffen w\u00fcrden. Diese Idee w\u00e4re ja gar nicht so unvern\u00fcnftig gewesen, wenn sie auf faire Partner gesto\u00dfen w\u00e4re. Aber jede Idee muss sich letztendlich am Ergebnis messen lassen.<\/p>\n<p>Nicht ein einziger Arbeits- oder Ausbildungsplatz wurde durch dieses \u201dB\u00fcndnis\u201d geschaffen, aber die Einkommenszuw\u00e4chse, die gab es nicht, im Gegenteil: die Realeinkommen sanken.<\/p>\n<p>Jetzt nach der Bundestagswahl soll ein neuer Versuch unternommen werden, ein B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit auf die Beine zu stellen. Ich halte diese Bem\u00fchungen f\u00fcr sinnvoll und notwendig, im Zweifelsfalle, angesichts der Arbeits- und Lehrstellenmisere zumindest einen Versuch wert. Ob das B\u00fcndnis diesmal den Arbeitnehmern nutzt, bleibt abzuwarten. Viel h\u00e4ngt davon ab, ob sich die Partner im Hinblick auf mehr Arbeits- und Ausbildungspl\u00e4tze ernsthaft und ehrlich bem\u00fchen. Erste Quersch\u00fcsse aus dem Arbeitgeberlager lassen nichts Gutes erwarten. Mitmachen, so die Arbeitgeber, wolle man nur, wenn der als \u201dReform\u201d verf\u00e4lschte Sozialabbau beibehalten und nicht r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht w\u00fcrde. Konkret, wenn es bei der gek\u00fcrzten Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle bleiben, und auch der Abbau beim K\u00fcndigungsschutz nicht revidiert w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Obwohl es inzwischen auch andere Stimmen aus dem Arbeitgeberlager gibt, sollte man sich nicht wundern. Arbeitgeber, Unternehmer vertreten ihre Interessen und das sind nicht die gleichen wie die Interessen der Arbeitnehmer.<\/p>\n<p>Wundern darf man sich nur \u00fcber den DGB-Vorsitzenden Dieter Schulte. Der erkl\u00e4rte kurz nach der Bundestagswahl, dass im Falle einer f\u00fcr untere und mittlere Einkommen g\u00fcnstigen Steuerreform eine Zur\u00fcckhaltung bei Lohn- und Gehaltsforderungen seitens der Gewerkschaften erwartet werden kann.<\/p>\n<p>Was mag Schulte veranlasst haben, solche T\u00f6ne anzuschlagen? Dummheit kann es doch nicht sein. Nachdem den Lohn- und Gehaltsempf\u00e4ngern in den letzten Jahren mehrfach das Fell \u00fcber die Ohren gezogen worden ist, haben sie nichts, aber auch gar nichts zu verschenken! Verzichte an K\u00fcndigungen sind das falsche Signal. Es kann doch nicht gut gehen, wenn die Arbeitgeber mit Forderungen an den Verhandlungstisch gehen, von der Gewerkschaftsseite mit vorauseilenden Zugest\u00e4ndnissen zu reagieren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem, wo nimmt Schulte die Legitimation f\u00fcr seine Erkl\u00e4rung her. Tarifverhandlungen werden noch immer von den Einzelgewerkschaften und nicht vom DGB gef\u00fchrt und das muss auch so bleiben.<\/p>\n<p>Aber soviel steht jetzt schon fest: Die M\u00e4\u00dfigungserkl\u00e4rungen von Schulte wird die Gewerkschaften bei den kommenden Tarifverhandlungen belasten. Dieter Schulte hat den Arbeitnehmern mit seinem unqualifizierten Vorschlag einen B\u00e4rendienst erwiesen und das nicht zum ersten Mal w\u00e4hrend seiner Amtszeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Werner B\u00f6wing<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Werner B\u00f6wing war jahrzehntelang Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IG Bau-Steine-Erden in Solingen. Seine Lebenserinnerungen &#8222;an den Versuch, mit der Luftpumpe die Windrichtung zu \u00e4ndern&#8220; sind im Buchhandel erh\u00e4ltlich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner B\u00f6wing \u00fcber das B\u00fcndnis f\u00fcr Arbeit<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[339],"tags":[361,86,92],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1307"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1307"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1307\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1308,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1307\/revisions\/1308"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1307"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1307"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}