{"id":1264,"date":"2017-06-23T14:42:38","date_gmt":"2017-06-23T14:42:38","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1264"},"modified":"2017-06-23T14:42:38","modified_gmt":"2017-06-23T14:42:38","slug":"helft-den-fluechtlingen-im-kirchenasyl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1264","title":{"rendered":"Helft den Fl\u00fcchtlingen im Kirchenasyl!"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den 22.11.98, hat eine Gruppe von 27 kurdischen Fl\u00fcchtlingen in der Wuppertaler Gemarker Kirchengemeinde (sog. City-Kirche in Barmen, Zwinglistra\u00dfe) um Zuflucht gebeten. Die Gruppe besteht aus 15 Erwachsenen und 12 Kindern. Ihre Lage ist sehr verzweifelt; ihre Asylantr\u00e4ge wurden abgelehnt, so da\u00df sie jetzt ganz aktuell von Abschiebung bedroht sind. In ihrer Erkl\u00e4rung vom 22.11. schreiben sie: \u201eWir haben erfahren, da\u00df die Antoniterkirche in K\u00f6ln und viele andere Kirchen den Fl\u00fcchtlingen geholfen, zu ihnen gehalten und nicht die Polizei geholt haben, deshalb sind auch wir in eine Kirche gegangen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Sie beziehen sich damit auf die Protestform des sog. Wanderkirchenasyls, die seit dem Februar, von K\u00f6ln ausgehend, sich in ganz NRW ausgebreitet hat: In inzwischen 70 evangelischen und katholischen Gemeinden wurde kurdischen Fl\u00fcchtlingen, rotierend meist f\u00fcr jeweils 4 Wochen Zuflucht gew\u00e4hrt; die Fl\u00fcchtlingsgruppen umfa\u00dften dabei 10 bis 30 Personen; insgesamt befinden sich zur Zeit ca. 230 Fl\u00fcchtlinge im Wanderkirchenasyl, und es gibt eine lange Warteliste. Die 27 nach Wuppertal gekommenen Fl\u00fcchtlinge sahen sich so unmittelbar von Abschiebung bedroht, da\u00df sie nicht warten konnten. Deshalb unternahmen sie diesen Schritt, die Gemarker Gemeinde direkt um Zuflucht zu bitten. Dabei wird aus ihrer Erkl\u00e4rung auch klar, da\u00df sie einerseits die Gemeinde um Schutz und Zuflucht bitten und sich andererseits an die Regierung wenden mit der Aussage: \u201eEs darf keine Abschiebungen in die T\u00fcrkei geben! Wir m\u00fcssen wieder legalisiert werden!\u201c<\/p>\n<p>Die Reaktion der Gemeinde war zun\u00e4chst positiv; Pfarrer Sprengler: \u201eVoraussichtlich werden wir ihnen l\u00e4nger eine Bleibe anbieten.\u201c Anders fiel dann der Beschlu\u00df des Presbyteriums (gew\u00e4hltes Leitungsgremium der Gemeinde) vom Montag, den 23.11., aus: Ein weiterer Aufenthalt werde davon abh\u00e4ngig gemacht, ob die Fl\u00fcchtlinge einer Einzelfallpr\u00fcfung zustimmen. M. E. ist dieser Beschlu\u00df darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df auf der Presbyteriumssitzung der Landeskirchenrat f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfragen Herr Gutheil anwesend war, der ein bekannter Gegner des Wanderkirchenasyls und Bef\u00fcrworter dieser Einzelfallpr\u00fcfungen ist. Die Fl\u00fcchtlinge lehnten die Einzelfallpr\u00fcfung ab, wie dies auch die oben erw\u00e4hnten 230 Fl\u00fcchtlinge tun. Sie begr\u00fcnden ihre Ablehnung damit, da\u00df sie sich nicht auseinanderdividieren lassen wollen, und damit, da\u00df sie einer Gruppenverfolgung unterliegen; sie wurden und werden in der T\u00fcrkei verfolgt, weil sie KurdInnen sind, und sie werden besonders stark verfolgt, wenn sie als abgelehnte AsylbewerberInnen aus Deutschland in die T\u00fcrkei abgeschoben werden &#8211; unabh\u00e4ngig von ihrem jeweiligen Einzelschicksal.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1252 aligncenter\" src=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/12-03-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/12-03-226x300.jpg 226w, http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/12-03.jpg 255w\" sizes=\"(max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/p>\n<p>Am Dienstag gab es dann ein sehr langes und intensives Gespr\u00e4ch zwischen den Fl\u00fcchtlingen und den Presbytern. Daraufhin erkl\u00e4rte Pfarrer Sprengel in einer Pressekonferenz am Mittwoch die neue Beschlu\u00dflage: Es gelte zwar die Beschlu\u00dflage vom Montag, andererseits werde man keine Zwangsma\u00dfnahmen zur R\u00e4umung einleiten, man habe die Fl\u00fcchtlinge nicht ausdr\u00fccklich aufgefordert zu gehen, und man f\u00fchle sich au\u00dferdem weiter f\u00fcr die Versorgung der Menschen verantwortlich. Dieser \u201eDuldungsbeschlu\u00df\u201c brachte f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge und die Unterst\u00fctzerInnen eine gewisse Entspannung und Beruhigung.<\/p>\n<p>Wie kann mensch die Fl\u00fcchtlinge unterst\u00fctzen? Zum einen ist es wichtig, sich bei der SPD und den Gr\u00fcnen daf\u00fcr einzusetzen, da\u00df einzelne PolitikerInnen sowie Gremien, sich f\u00fcr einen Abschiebestopp in die T\u00fcrkei aussprechen. Sodann sind Veranstaltungen sinnvoll, auf denen \u00fcber die Situation in der T\u00fcrkei und \u00fcber die Lage der kurdischen Fl\u00fcchtlinge hier informiert wird. N\u00fctzlich sind auch Solidarit\u00e4tsschreiben an die Gemeinde und an die Fl\u00fcchtlinge (City-Kirche Barmen, Zwinglistr. 5, 42275 Wuppertal, Tel.: 2553010). Dar\u00fcberhinaus ist zu \u00fcberlegen, ob es in Solingen Gemeinden gibt, die sich vorstellen k\u00f6nnen, Fl\u00fcchtlingen Zuflucht zu geben. Wer Geld spenden m\u00f6chte: zum einen f\u00fcr das Unterst\u00fctzungsplenum f\u00fcr Kirchenzuflucht (Spendenkonto Freie Medien e.V., Konto Nr.470834-437, Postbank Essen BLZ 36010043, Stichwort Kirchenzuflucht) oder f\u00fcr die Gruppe \u201eKein Mensch ist illegal\u201c (Antirassistische Initiative Wuppertal e.V., Stichwort \u201ekein Mensch ist illegal\u201c, Konto 950899, Stadtsparkasse Wuppertal, BLZ 33050000).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bernhard Fedler<br \/>\nvon der Gruppe \u201eKein Mensch ist illegal\u201c,<br \/>\nc\/o Informationsb\u00fcro Nicaragua,<br \/>\nPostf.. 101320, 42013 Wuppertal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den 22.11.98, hat eine Gruppe von 27 kurdischen Fl\u00fcchtlingen in der Wuppertaler Gemarker Kirchengemeinde (sog. City-Kirche in Barmen, Zwinglistra\u00dfe) um Zuflucht gebeten. Die Gruppe besteht aus 15 Erwachsenen und 12 Kindern. 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