{"id":1194,"date":"2017-06-20T14:00:42","date_gmt":"2017-06-20T14:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1194"},"modified":"2017-06-20T14:00:42","modified_gmt":"2017-06-20T14:00:42","slug":"opfer-zu-taetern-rassismus-hat-system","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1194","title":{"rendered":"\u201eOpfer zu T\u00e4tern\u201c &#8211; Rassismus hat System"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHattingen &#8211; L\u00fcbeck oder von der Leichtigkeit aus Opfern T\u00e4ter zu machen\u201c war der Titel der Veranstaltung, zu der &#8222;Die B\u00f6rse&#8220; in Wuppertal am 28.04.96 eingeladen hatte. Etwa 50 interessierte Menschen waren gekommem um sich \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Ungereimheiten in Folge dieser beiden Brandanschl\u00e4ge zu informieren. Zu Cast waren Rechtsanwalt Heiermann, Verteidiger von Frau \u00dcngver aus Hattingen und zwei Mitglieder des &#8222;Antirassistischen Telefons Hamburg&#8220;.<!--more--><br \/>\n<strong>L\u00fcbeck&#8230;<\/strong><br \/>\nDas &#8222;Antirassistische Telefon Hamburg&#8220; hatte sich unmittelbar nach dem Brandanschlag in L\u00fcbeck gegr\u00fcndet und steht seit Ende Januar im engen Kontakt zu den \u00dcberlebenden des Hauses in der Hafenstra\u00dfe und der Familie des Angeklagten Safwan Eid. Ihr Ziel war es, die Nachrichtensperre zu durchbrechen und \u00fcber die Situation in der Brandnacht zu informieren.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst berichteten sie \u00fcber die unzul\u00e4nglichen Ermittlungsmethoden, die offensichtlich nicht zu dem Ziel f\u00fchren sollten die wahren T\u00e4ter zu finden, sondern m\u00f6glichst Deutsche von einer T\u00e4terschaft auszuschlie\u00dfen (wir berichteten in der letzten tacheles).<\/p>\n<p>Obwohl inzwischen klar ist, da\u00df die drei zuerst festgenommenen deutschen Jugendlichen, organisierte Nazis sind, bleibt es bei Lippenbekenntnissen von Seiten der Staatsanwaltschaft gegen die Skinheads weiter zu ermitteln. Die Jugendlichen wiesen im Gesicht Brandspuren auf, die nach Aussage von Rechtsmedizinern durch eine Verpuffung hevorgerufen wurden.<\/p>\n<p>Doch trotz dieser und anderer Hinweise, die auf eine T\u00e4terschaft schlie\u00dfen lassen, konzentriert sich die Staatsanwaltschaft mit einer gewollten Scheuklappe auf dem rechten Auge, ganz auf die widerspr\u00fcchlichen Aussagen eines Sanit\u00e4ters, die zu der Verhaftung des Libanesen Safwan Eids f\u00fchrten. Seine Identit\u00e4t wurde im Gegensatz zu denen der Skinheads, schon kurz nach der Festnahme in der ganzen Welt bekanntgegeben. Ein angemessener T\u00e4ter f\u00fcr die Welt\u00f6ffentlichkeit war gefunden, dessen Identit\u00e4t nicht f\u00fcr sch\u00fctzenswert erachtet wurde. W\u00e4hrend beharrlich darauf bestanden wird, das Feuer w\u00e4re im ersten Stockwerk ausgebrochen und k\u00f6nne nur von einem Hausbewohner selbst gelegt worden sein, werden nicht nur die gegen-<br \/>\nteilige Aussage des Brandsachverst\u00e4ndigen Achilles ignoriert, der von einem wahrscheinlichen Brandherd im Erdgescho\u00df spricht, sondern auch s\u00e4mtliche Aussagen der Hausbewohnerinnen, die eine T\u00e4terschaft Safwan Eids mehr als in Frage stellen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-1174 size-full\" src=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/03-04.jpg\" alt=\"\" width=\"344\" height=\"503\" srcset=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/03-04.jpg 344w, http:\/\/tacheles-solingen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/03-04-205x300.jpg 205w\" sizes=\"(max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><\/p>\n<p>Eine &#8222;Internationale, unabh\u00e4ngige Untersuchungskomission&#8220;,bestehend aus Rechtsanw\u00e4ltinnen aus Frankreich, Italien, England, Israel und den Niederlanden hat sich derweil der Aufgabe angenommen, das Verfahren gegen Safwan Eid<br \/>\nzu beobachten und bei der Wahrheitsfindung zu helfen. Eine Beschwerde dieser Komission, die sich gegen die Inhaftierung Safwans richtete, wurde nur zwei Stunden nach Entsendung per Fax abgewiesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Komission steht fest, da\u00df es sich bei Safwans Fall um &#8222;systematische, rassistische Ermittlungen&#8220; handelt, die dazu verhelfen sollen, eine deutsche T\u00e4terschaft nicht zuzulassen.<\/p>\n<p><strong>Hattingen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Rechtsanwalt Heiermann zeigte im weiteren Verlauf des Abends die Parallelen des Verfahrens seiner Mandantin Frau \u00dcngver zum L\u00fcbek-ker Fall auf.<\/p>\n<p>Nur eine Woche nach &#8222;Solingen&#8220; wurde ein<br \/>\nBrandanschlag auf das Haus der Familie \u00dcngver ver\u00fcbt. Obwohl auch hier drei Skinheads in der N\u00e4he des Hauses zur Tatzeit gesehen wurden, stand f\u00fcr die Ermittler schon nach wenigen Stun-. den fest, da\u00df Frau \u00dcngver die Tat selbst begangen haben \u201cmu\u00dfte&#8220;. &#8222;Der Solidarit\u00e4t nach Solingen&#8220; sollte die Spitze genommen werden, so \u00e4u\u00dferte sich im Proze\u00df ein Beamter, der das Verh\u00f6r f\u00fchrte. Damit dies dann auch geschah, wurden keine Beweise ben\u00f6tigt um einen Proze\u00df gegen Frau \u00dcngver er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen und ein Motiv wurde schnell erfunden: Frau \u00dcngver h\u00e4tte den Brand in der Hoffnung auf Spendengeldern selbst gelegt. Sp\u00e4ter hie\u00df es dann, Frau \u00dcngver h\u00e4tte famili\u00e4re Schwierigkeiten und wollte in die T\u00fcrkei zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Letztendlich f\u00fchrten fehlende Beweise und Motive zum Freispruch von Frau \u00dcngver.<\/p>\n<p><strong>Wuppertal&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>TeilnehmerInnen der Veranstaltung wiesen auf ein Ende Februar ver\u00fcbten Brandanschlag auf ein Haus in der Luisenstra\u00dfe in Wuppertal hin. Ein Marokkaner, der zur Tatzeit in der N\u00e4he des Hauses auf der Stra\u00dfe aufgegriffen wurde, steht unter Verdacht den Anschlag ver\u00fcbt zu haben obwohl auch hier ein Motiv und Beweise fehlen. Bei einem zwei Wochen zuvor ver\u00fcbten Anschlag, konnten die Bewohnerinnen sich nur knapp \u00fcber ein am Haus aufgestelltes Bauger\u00fcst retten. Eine Solidarisierung von Seiten der Bev\u00f6lkerung gab es nach beiden Anschl\u00e4gen nicht.<\/p>\n<p><strong>&#8222;80% aller Brandanschl\u00e4ge werden nicht aufgekl\u00e4rt&#8220; (Heiermann)<\/strong><\/p>\n<p>Sowohl die Vertreterinnen des &#8222;Antirassistischen Telefons Hamburg&#8220; als auch Rechtsanwalt Heiermann betonten, da\u00df eine zunehmende Entsolidarisierung mit den Brandanschlagsopfern zu sp\u00fcren sei. Immer mehr scheinen auch &#8222;Linke&#8220; rassistische Argumentationsmuster zu entwickeln, um die Br\u00e4nde zu erkl\u00e4ren. Es entsteht immer mehr ein Bild vom &#8222;irrationalen Ausl\u00e4nder&#8220; der gedankenlos den Herd anl\u00e4\u00dft oder aus Wut auf einen Nachbarn das Haus ansteckt.<\/p>\n<p>Im Laufe der Diskussion schien sich immer mehr Peinlichkeit und Ratlosigkeit unter den Teilnehmerinnen auszubreiten. Heiermann reagierte auf die sp\u00fcrbare Unsicherheit mit dem Rat, die Verantwortlichkeit nicht auf Justiz und Polizei abzuzw\u00e4lzen, sondern selbst den Kontakt zu den Opfern aufzunehmen.<\/p>\n<p>Nach Aussage des &#8222;Antirassistischen Telefons Hamburg&#8220; befindet sich Safwan Eid momentan in einem psychisch sehr labilen Zustand. Deswegen w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn m\u00f6glichst viele Solibriefe\/Karten in deutscher Sprache an ihn geschickt w\u00fcrden:<\/p>\n<p>Satwan Eid<\/p>\n<p>JVA L\u00fcbeck Marly &#8211; Ring 23568 L\u00fcbeck<\/p>\n<p>R\u00fcbe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHattingen &#8211; L\u00fcbeck oder von der Leichtigkeit aus Opfern T\u00e4ter zu machen\u201c war der Titel der Veranstaltung, zu der &#8222;Die B\u00f6rse&#8220; in Wuppertal am 28.04.96 eingeladen hatte. 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