{"id":1066,"date":"2017-03-21T16:34:55","date_gmt":"2017-03-21T16:34:55","guid":{"rendered":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1066"},"modified":"2017-03-21T16:34:55","modified_gmt":"2017-03-21T16:34:55","slug":"fluechtlingshilfe-solingen-e-v-wuenscht-sich-eine-flucht-nach-vorne-wie-schaffen-wir-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1066","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlingshilfe Solingen e. V. w\u00fcnscht sich eine \u201eFlucht nach vorne\u201c  \u2013 \u2026 wie schaffen wir Arbeitspl\u00e4tze?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit jetzt fast 2 Jahren begleiten viele freiwillige Helfer unseres Vereins \u201eFl\u00fccht\u00adlings\u00adhilfe Solingen e.V\u201c. , die in unser Land \u201eeingereisten Menschen\u201c, in ein f\u00fcr sie v\u00f6llig neues Leben. Wiederholt stellen wir uns die Frage, ob unsere Fantasie auch nur ann\u00e4hernd ausreichen kann, eine Vorstellung von dem zu erlangen, was diese Menschen auf ihren unterschiedlichsten Flucht Szenarien erlebt haben m\u00f6gen. Leben in Deutschland, mit einer gesetzlichen Kran\u00adken\u00adversicherung, einem Rechtsstaat, der den Menschen Bildung zug\u00e4nglich macht, soziale Einrichtungen und Vereine f\u00f6rdert, l\u00e4\u00dft dies wohl nur schwerlich zu. Zu\u00admindest, solange wir uns als ein vollwertiges Glied dieser Gesellschaft bzw. Ge\u00admeinschaft sp\u00fcren und f\u00fchlen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie geht es nach dem \u201eAnkommen\u201c jetzt weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Nach allen einigerma\u00dfen \u00fcberstandenen Strapazen und Schwierigkeiten m\u00f6chten diese Menschen nun Ruhe finden, ankommen und sich eine neue Perspektive bzw. Existenz aufbauen. Nun d\u00fcrfen wir uns fragen, wie w\u00fcrden wir uns f\u00fchlen, wenn wir ca. 1 \u00bd Jahre nach Ankunft in einer deutschen Stadt, nach derlei Erlebtem keine sichtbare Pers\u00adpektive haben finden k\u00f6nnen. Viele dieser \u201eNeuen Solinger\u201c halten sich h\u00e4ufig in unseren Vereinsr\u00e4umlichkeiten am Ufergarten 25, in 42651 Solingen-Mitte auf. Nicht wenige von Ihnen sind aufgrund dieser ungekl\u00e4rten Zukunft sehr verzweifelt, wenn nicht sogar depressiv. Menschen ben\u00f6tigen eine Sinn\u00adgebung in ihrem Leben. Sie ben\u00f6tigen eine Struktur in ihrem Tagesablauf und das Gef\u00fchl, ein vollwertiger Teil der Gesellschaft zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<strong>Seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist eine Frage der Humanit\u00e4t. Die Antwort hierauf lautet \u201eRespekt und Wertsch\u00e4tzung\u201c. Sie m\u00f6chten nicht nur empfangen, sie m\u00f6chten auch geben. Dies vermittelt das lebensnotwendige Gef\u00fchl von Selbst\u00adwirksamkeit, Selbstbewusstsein und Selbst\u00adwertgef\u00fchl. Fehlt einem Menschen dieses g\u00e4nzlich, droht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Gefahr einer Erkrankung. Doch wir haben nicht \u201eNICHTS\u201c erreicht.<br \/>\nViele unserer Gefl\u00fcchteten haben inzwischen eine Wohnung gefunden und in Deutsch\u00adkursen lernen sie unsere Sprache. Bei uns finden die Sch\u00fcler die notwendige kostenfreie Unterst\u00fctzung beim Erlernen der Sprache, da sie dem Inhalt der Kurse nicht immer problemlos folgen k\u00f6nnen. Gemeinsam unterrichtete unterschiedliche Kulturen erschweren das Lernen. Ein abschlie\u00dfender Test und die \u00dcbergabe eines Zertifikates best\u00e4tigt, dass der Deutschkurs erfolgreich (oft auch nur die Teilnahme) besucht wurde. Der Test kann nach Nichtbestehen noch einmal wiederholt werden. Danach bleibt es dem Betreffenden offen einen Job zu suchen, oder den Lehrgang zu wiederholen und die Kosten daf\u00fcr selbst zu tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<strong>Ein \u201eneues Leben\u201d &#8211; wie geht das?<\/strong><\/p>\n<p>Der Wunsch nach Arbeit und einer leistungsgerechten Bezahlung ist auch hier bei uns deutlich zu sp\u00fcren. Tagt\u00e4glich unterst\u00fctzen wir viele gefl\u00fcchtete Menschen, aber auch unz\u00e4hlige Deutsche, die unsere Einrichtung regelm\u00e4\u00dfig aufsuchen dabei eine Arbeit zu finden. Sie suchen mit uns auf den Webseiten der Arbeitsagentur oder auch in der Zeitung nach offenen Stellen. Wir rufen an oder sie versuchen es selbst\u00e4ndig, Aber nicht nur die Fl\u00fcchtlinge suchen nach einer T\u00e4tigkeit. Auch sehr viele Hartz4 \u2013Empf\u00e4nger finden bei uns Geh\u00f6r und berichten, dass sie keine Arbeit finden, von der sie menschenw\u00fcrdig ihren Lebensunterhalt ohne Aufstockung bestreiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<strong>Trotz Ausbildung, Weiterbildung und weiterer Ma\u00dfnahmen \u00fcber das Arbeitsamt blei\u00adben sie in In Ihren Situationen \u201egefangen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Sind Ma\u00dfnahmen zielf\u00fchrend??? Nicht wenige Menschen, die wir kennenlernen durften, haben hierdurch ihre W\u00fcrde verloren. Sie haben bereits verschiedene Ma\u00dfnahmen absolviert, empfinden diese inzwischen als Be\u00adsch\u00e4ftigungstherapie, weil die ersehnte Unab\u00adh\u00e4ngigkeit mittels einer leistungsgerechten Verg\u00fctung damit weiterhin nicht greifbar wurde.Frau B. eine \u00fcber 50-j\u00e4hrige Wiederein\u00adsteigerin w\u00fcnschte sich einen Vollzeitjob und hat auf Anraten des Jobcenters eine einj\u00e4hrige Qualifizierungs\u00adma\u00dfnahme zur Betreuungs\u00adp\u00e4da\u00adgogin mit dem Notendurchschnitt von 1,1 absolviert. Hier\u00fcber kann sie sich bis heute nicht wirklich freuen, da sie bisher keine Anstellung finden konnte, die ihr ein Einkommen zum notwendigen Lebensunterhalt (ca. 1300,- bis 1400,- netto) erm\u00f6glicht. Wie kann es sein, dass so viele Menschen nicht mehr klarkommen und selbst unter gr\u00f6\u00dftem Aufwand keine richtige Arbeit mehr finden k\u00f6nnen? Es zeigt sich ganz deutlich, dass hier etwas nicht stimmt und wir m\u00f6chten hierzu eine These aufstellen:<br \/>\nObgleich wir selbst zurzeit viele Ehrenamts\u00adstunden leisten, sehen wir eigentlich hierbei ein gro\u00dfes Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<strong>Das Ehrenamt verhindert feste Arbeitspl\u00e4tze<\/strong><\/p>\n<p>Als Ehrenamtler bezeichnet man z. B. alle Fl\u00fcchtlingshelfer, Hausaufgabenbetreuer, Fussballtrainer, Menschen eben, die ohne Entgelt bei den Kirchen, kirchlichen Orga\u00adnisationen, anderen Organisationen, Insti\u00adtutionen und Vereinen helfen oder auch Helfer der freiwilligen Feuerwehren sind etc. etc. etc. Das ist grunds\u00e4tzlich eine unglaublich wunderbare Leistung, die gerade wir zu sch\u00e4tzen wissen. Da wir nur an L\u00f6sungen interessiert sind, die die Gemeinschaft st\u00fctzen, ist uns jedoch aufgefallen, dass \u201eWIR\u201c alle gemeinsam dem Staat als solchen durch diese eigentlich heldenhafte Unterst\u00fctzung viele Auf\u00adgaben abnehmen, die normalerweise vom Staat getragen werden m\u00fcssten. Laut dem DPWV (Deutscher Parit\u00e4tischer Wohl\u00adfahrtsverband) leisten j\u00e4hrlich ca. 23.000.000 Menschen in Deutschland Ehrenamt-Dienste. (Diese Zahl soll nur eine erste Kalku\u00adlationsgr\u00f6\u00dfe darstellen und muss sicherlich noch genauer bestimmt werden!) Kalkuliert man jeden Ehrenamtler mit 2 Stunden Ehrenamt in der Woche = 8 Stunden im Monat und einem Mindestlohn in H\u00f6he von 8,50 \u20ac\/Stunde kommt man auf einen Betrag von 1.564.000.000 \u20ac. Teilt man diesen durch ein durchschnittliches Gehalt f\u00fcr eine Vollzeitstelle in H\u00f6he von 1400 \u20ac monatlich k\u00f6nnten immerhin nachhaltig 1.117.142 neue Vollzeitstellen in Deutschland geschaffen werden. Auf diese Weise w\u00fcrde es wieder eine grosse Anzahl an neuen Stellen geben. Arbeitslose, die bereits ehrenamtlich im sozialen Bereich wie z. B. Hausaufgaben\u00adbetreuer, Fu\u00dfballtrainer oder Sozialhelfer sind, k\u00f6nnten daraus folgend eine Fest\u00adanstellung erhalten und so auch wieder am wirtschaftlichen Leben teilnehmen. Demge\u00adgen\u00fcber leistet der Staat zurzeit sehr hohe Geldleistungen durch das bestehende Sozialsystem unter Hartz 4, bei dem der Mensch zwar Kunde, aber trotz allem Bittsteller ist, der fr\u00fcher oder sp\u00e4ter seine W\u00fcrde verliert. Die so h\u00e4ufig benannten \u201eFaulenzer, die eh f\u00fcrs Nichtstun Geld abzocken wollen\u201d, h\u00e4tten bei dieser Vorgeh\u00adensweise ein grosses Problem. Auch sie m\u00fcssten sich in einem von Ihnen gew\u00fcnschten Bereich eine Arbeit suchen. Warum ist es nicht m\u00f6glich, Menschen, die unter Hartz 4 leben und gleichzeitig schon ein Ehrenamt absolvieren in bezahlte Vollzeit\u00adstellen im 2-Stufen-Plan umzuwandeln?\u00a0 Warum k\u00f6nnen nicht F\u00f6rdergelder ohne Ma\u00dfnahmen-Charakter sofort in richtige, nachhaltige Arbeitspl\u00e4tze investiert werden.\u00a0 Warum kann es nicht erm\u00f6glicht werden, Ehrenamtler zu unterst\u00fctzen, die z. B. Gefl\u00fcchtete oder Menschen, die unter Hartz 4 leben m\u00fcssen in eine Selbst\u00e4ndigkeit behutsam und nachhaltig zu begleiten? Voraussetzung dieses L\u00f6sungsansatzes ist nat\u00fcrlich die Anerken\u00adnung der Leistungen aller Ehrenamtler Deutschlands durch den Staat. Wir haben nachfolgend eine Tabelle erstellt, die unseren L\u00f6sungsansatz auf einfache Weise darzustellen versucht.<br \/>\nDies soll ausschlie\u00dflich eine Arbeits\u00adgrundlage darstellen, die sicherlich noch genauer zu \u00fcberdenken ist.<br \/>\nWir suchen L\u00f6sungen!<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Saskia Frings<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit jetzt fast 2 Jahren begleiten viele freiwillige Helfer unseres Vereins \u201eFl\u00fccht\u00adlings\u00adhilfe Solingen e.V\u201c. , die in unser Land \u201eeingereisten Menschen\u201c, in ein f\u00fcr sie v\u00f6llig neues Leben. Wiederholt stellen wir uns die Frage, ob unsere Fantasie auch nur ann\u00e4hernd &hellip; <a href=\"http:\/\/tacheles-solingen.de\/?p=1066\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[306],"tags":[47,311,6,307],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1066"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1066"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1066\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1067,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1066\/revisions\/1067"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tacheles-solingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}